Was es heißt, ein Buch zu schreiben

Autor Tobias Gawrisch mit seinem Buch Zeitrafferfotografie - Schritt für Schritt zum professionellen Timelapse-Video

Das ich vor kurzem endlich mein Buch Zeitrafferfotografie – Schritt für Schritt zum professionellen Timelapse-Video im BILDNER Verlag veröffentlicht habe, sollten mittlerweile wohl die meisten mitbekommen haben. Ich habe auch schon einen VLOG darüber veröffentlicht, worin ich auch schon einige Dinge angesprochen habe, die während des Schreibprozesses die meiste Arbeit gemacht haben.

In diesem Blogbeitrag möchte ich deshalb noch einmal genauer darauf eingehen, welche Voraussetzungen so ein Buch eigentlich erfüllen muss und mit welchen Problemen ich zu kämpfen hatte während der Erstellung, aber auch, was ich während des Prozesses gelernt habe. Ich möchte damit auch ein wenig den Titel des „Autors“ desillusionieren und die Realität des „Bücher Schreibens“ verdeutlichen. Denn ich saß selten bei Kerzenschein in einer romantischen Holzhütte in den Bergen und habe über Formulierungen gegrübelt. Vielmehr ist das Schreiben auch ein Handwerk, was mal mit mehr und mal mit weniger Spaß ausgeübt wird. Vor allem gehört zum Schreiben eines Buches aber noch eine ganze Menge mehr dazu, außer das bloße Schreiben an sich. Und dieses "Mehr" habe ich selber im Vorfeld auch unterschätzt. Aber dazu mehr in den folgenden Absätzen:

Fangen wir mit einem Learning an

Geduld.

Wenn ich den gesamten Prozess des Schreibens und der Korrekturen mit einem Wort zusammenfassen müsste, dann wäre es Geduld. Das ist auch das, was ich bei diesem Projekt am meisten gelernt habe. Alle Vorgänge brauchen ihre Zeit. Der ursprüngliche Zeitplan für das Buch wurde um fast ein halbes Jahr nach hinten geschoben, was keine Seltenheit ist. Dabei war das Schreiben an sich die Phase, die wahrscheinlich am schnellsten ging.

Die Schreibphase besteht im Großen und Ganzen aus 2 Bereichen: Das tatsächliche Schreiben und das Recherchieren von Fakten. Letzteres beschränkte sich im Falle meines Buches darauf, verschiedene Optionen, Kameraeinstellungen oder Kompatibilitäten herauszufinden, um erläutern zu können, wie ine bestimmte Technik auch kameraübergreifend funktioniert. Kann die Belichtungswaage bei Canon und Nikon Kameras im LiveView eingeblendet werden? Und was ist mit Sony? Welche Kompaktkameras sind per USB aufladbar?

Inhaltliche Entscheidungen

Dazu kommen dann inhaltliche Entscheidungen, die schon mehr Zeit benötigen und auch ein eventuelles Umschreiben ganzer Passagen nach sich ziehen: Welches Videoschnittprogramm stelle ich beispielhaft vor? Final Cut haben nur Mac-Benutzer. Adobe Premiere Pro holt man sich nicht mal einfach so, wenn man nur ein paar Zeitraffer Clips zusammenschneiden will. Was ist also der kleinste, gemeinsame Nenner, der systemübergreifend erklärbar ist, aber trotzdem professionell genug für hochwertige Ergebnisse. Aus diesem Grund habe ich mich auch für DaVinci Resolve entschieden. Die Software ist kostenlos verfügbar, läuft auf Windows und auf dem Mac und bietet professionelle Tools für den hochwertigen Videoschnitt. Auch wenn DaVinci Resolve vielleicht nicht die bekannteste Videoschnittsoftware ist, war sie meiner Meinung nach das ideale Anschauungsobjekt.

Ähnlich verhielt es sich mit den Motion Control Systemen. Neben meinem eigenen System, dem Syrp Genie, wollte mir der Verlag noch einen Leihslider stellen, damit nicht nur ein Produkt im Buch Erwähnung findet. Das System von Syrp ist durch den vergleichsweise geringen Preis bereits ein gutes Einsteigersystem. Motion Control Systeme sind leider insgesamt sehr teuer und damit für Hobbyisten ein eher selten angeschafftes Zubehörteil. Selbst die Geräte von Syrp oder Pocketslider liegen im niedrigen, vierstelligen Preisbereich. Für das Buch war es wichtig, repräsentative Geräte zu zeigen, die aber bei bestehendem Interesse trotzdem noch sinnvoll auch von Hobbyfotografen gekauft werden konnten.

SYRP Genie und SYRP Magic Carpet Medium Track Slider am Strand von St. Peter-Ording von Tobias Gawrisch (Xplor Creativity)

Bei den Recherchen für ein 2. System, was auch die Option der Leihe besaß, kamen wir zuerst auf Systeme von Kesseler Crane, welche zwar verliehen wurde, aber derart komplex und vor allem teuer waren, dass sie praktisch keine Anwendung in der reinen Zeitrafferfotografie fanden. Die motorisierten Slider von Kesseler sind für den High-End Cinema Bereich entworfen und dementsprechend auf Video optimiert. Und mit einem fünfstelligen Preispunkt weit außerhalb der sinnvollen Preisbereiche für ambitionierte Hobbyfotografen.

Bis dann schlussendlich die Wahl auf den Pocketslider fiel, vergingen rund 6 Wochen der Suche nach geeigneten Slidern und Leihprodukten. Auch das hat den Zeitplan deutlich nach hinten geworfen. Als der Pocketslider dann als Leihgabe kam, hatte ich eine Woche Zeit, mich intensiv mit dem Gerät zu beschäftigen. Das hieß allerdings auch, dass ich mich eine Woche lang de facto mit nichts anderem beschäftigt habe, um das Gerät auch wirklich kennenzulernen, die optimale Bedienung herauszufinden, die Stärken und Schwächen des Systems zu verstehen usw.

In dieser einen Woche musste ich also andere Projekte zurückstellen. Und  das ist natürlich ein zusätzlicher Stressfaktor in der Arbeit als Selbstständiger. Gleichzeitig wurde ich aber so auch gezwungen das Priorisieren zu lernen. Denn es gab jetzt nur diese eine Woche mit dem Leihslider du die musste ausgenutzt werden.

Abbildungen anfertigen

Der vielleicht größte Aufwand steckt hinter den ganzen Abbildungen. Da es mir für das Buch wichtig war, alle Abbildungen selbst anzufertigen (es wäre doch sehr komisch, wenn ein Fotograf ein Buch über Fotografie schreibt und dann die Hälfte der Bilder extern zukauft), ging hier ein Großteil der Zeit verloren.

SYRP Genie von Tobias Gawrisch (Xplor Creativity)
ANKER PowerBank von Tobias Gawrisch (Xplor Creativity)
GoPro Hero+ von Tobias Gawrisch (Xplor Creativity)

Die Sache war die: Es mussten von vornherein Abbildungen in den Text, um die Länge besser einschätzen zu können und um den Text natürlich auch an die gezeigten Bilder anpassen zu können. Gleichzeitig war zu Anfang aber noch nicht klar, welche Abbildungen (oder auch wie viele Abbildungen) später noch gebraucht werden würden. Das Machen der Abbildungen war daher ein wiederkehrender Prozess, der jedes Mal einen guten Tag verschlungen hat: Aufbau des Sets für die Produktfotos, herrichten der Produkte (reinigen, passend drapieren usw.), Einstellen des Lichts, Fotografieren und die Nachbearbeitung der Bilder. Und dann werden am Ende doch nicht alle Bilder gebraucht und andere Bilder müssen neu gemacht werden, weil beispielsweise aus Sicht des Lektorats die Tiefenschärfe zu gering war oder zu viele Reflexionen noch auf dem Display zu sehen waren. Das war auch das erste Mal in meiner ganzen Laufbahn als Fotograf, dass eine externe Stelle bei Bildern noch kritischer hingeschaut hat als ich selber – eine sehr wertvolle, wenn auch schmerzliche Erfahrung! Niemand möchte natürlich gerne hören, dass seine Bilder so nicht zu gebrauchen seien. Vor allem nicht, wenn man schon mehrere Jahre erfolgreich als Fotograf arbeitet. Aber genau diese Kritik macht am Ende den Unterschied zwischen einem guten Bild und dem perfekten Bild für diese einen Anwendungsfall aus.

Besser Kritik annehmen und verteilen

Was mich gerade dieses Feedback gelehrt hat ist noch einmal ein anderer Umgang mit Kritik, vor allem aber die richtige Annahme von Kritik: Der Verlag und das Lektorat haben jahrzehntelange Erfahrung in der Veröffentlichung von Sach- und Fachbüchern, viele auch schon im Bereich der Fotografie. Ich kam daher nie auf die Idee, die Kompetenz des Verlages in Frage zu stellen, obwohl ich natürlich der Meinung war, meine Bilder seien absolut gut genug. Wenn du aber weißt, dass dein Gegenüber von der Materie einfach noch einmal viel mehr Ahnung hat als du selbst, dann bist du auch viel gewillter, Kritik anzunehmen und davon zu lernen. Ebenso gab es den umgekehrten Fall: Vom Lektorat kamen immer wieder Hinweise auf unbekannte Begriffe oder Sachverhalte, die dem Lektor nicht bekannt gewesen sind. Diese wurden zuerst auch als Kritik verpackt, in diesem Fall war ich als Autor aber die Autorität und der Experte und konnte daher diese Sachverhalte dann auch durchdrücken, weil in diesem Fall das Lektorat ebenfalls wusste, dass ich in dem Gebiet mehr weiß.

Daraus lässt sich auch viel für den Umgang mit Kritik auf Social Media Plattformen lernen. Denn wichtig ist: Du musst dir nur die Kritik annehmen, die dir auch weiterhilft. Gleichzeitig liegt es nur an dir selbst, welche Kritik du als hilfreich einstufst. Wenn du eigentlich gar keine Kritik hören willst, wirst du jegliche Kritik als nicht hilfreich auffassen. Wenn du dagegen offen und selbstreflektiert auftrittst, kannst du aus viele Kritiken auch tatsächlich lernen. Das Problem sind dabei aber nicht die anderen Kritiken, sondern immer du selbst und wie du eine Kritik auffasst.

Hotelgebäude im Hafen von Rotterdam von Tobias Gawrisch (Xplor Creativity)

Wenn jemand zu meinen Architekturbildern schreibt „Oh, dass ist aber dunkel, dass solltest du heller machen!“, dann überlege ich mir „Ist diese Kritik berechtigt und hat der-/diejenige die Autorität, mich dahingehend zu kritisieren?“

Wenn der Kritiker dann nur Hochzeiten in gleißendem Sonnenlicht fotografiert und ich keinerlei Hinweis darauf finde, dass auch einmal über Architekturfotografie nachgedacht wurde, ist diese Kritik für mich haltlos und nicht hilfreich, weil offensichtlich die Expertise fehlt, um das Bild richtig einschätzen zu können. Diese Abwägung machst du aber für dich selbst, nicht für andere oder den Kritiker.

Die Veröffentlichung

Irgendwann, nach vielen Wochen und Monaten und unzähligen Mails mit Kritiken, Anmerkungen und der jeweils letzten Version des Manuskripts ist es dann auch soweit und die Veröffentlichung steht vor der Tür. Da wird es dann auch noch einmal stressig, weil der einmal festgelegte Drucktermin dann unbedingt gehalten werden will. Das bedeutet dann die eine oder andere Nachtschicht, wenn Mittags die Mail kommt mit „Hier die letzte Version des Manuskripts, bitte einmal alle Querverweise und Indexeinträge überprüfen. Eilt! Muss morgen früh in den Druck!“

Ich kann euch nicht sagen wie oft ich während der Erstellung des Buches in der Woche und auch am Wochenende mal um halb 1 nachts noch vorm Rechner saß und Formulierungen angepasst oder Querverweise eingefügt habe. Die gesamte Arbeitszeit, die in so einem Buch steckt, ist weder durch das vertraglich geregelte Garantiehonorar noch durch die Gewinnbeteiligung aufwiegbar. Das muss dir vorher klar sein. Das Honorar ist nett und die Gewinnbeteiligung ist eine (hoffentlich) stabile Einnahmequelle für einen längeren Zeitraum, aber mehr ist es auch nicht. Meine Hauptmotivation für dieses Buch war einerseits Prestige (hey, es steht ein Buch mit meinem Namen in Buchhandlungen!) und andererseits der Fuß in der Tür eines Verlages für eventuelle zukünftige Projekte. Denn ich kann mir gut vorstellen, noch weitere Bücher zu veröffentlichen. Denn jetzt habe ich die typischen Anfängerfehler als Autor einmal durchlaufen und ich bin mir sicher, dass nächste Buch würde sehr viel schneller veröffentlicht werden können.

Ich hoffe, dass war ein interessanter Einblick für dich in den Entstehungsprozess meines Buches und was alles dazu gehörte. Wenn du das Buch jetzt selber einmal lesen möchtest, würde mich das natürlich riesig freuen! Und noch mehr würde mich eine Bewertung auf Amazon freuen. Wenn du dir ein paar Minuten dafür Zeit nehmen würdest, wäre ich dir sehr dankbar!

Bis demnächst,

 

Tobi



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