Die Fotos, die du nie jemandem zeigst

Hochzeitsfotografie im Vintage Stil von Tobias Gawrisch (Xplor Creativity)

Hast du das auch, dass du Fotos schießt, die aber nicht für die Öffentlichkeit gedacht sind? Vielleicht handelt es sich dabei um ein Genre, was einfach nicht mit deinen anderen Genres kompatibel ist? Oder du fotografierst Personen oder Dinge, die nicht veröffentlicht werden sollen?

Ich möchte dir in diesem Blogbeitrag ein paar Dinge über die Fotografie im Allgemeinen mit auf den Weg geben und im Speziellen noch auf die vermeintliche Unvereinbarkeit im Bereich der professionellen Fotografie eingehen. Denn das ist der Grund, warum ich in manchen Fällen Aufträge fotografiere, mit denen ich nicht werbe und die, außer dem Auftraggeber, niemand zu sehen bekommt. Aber auch als Hobbyfotograf_In kannst du sicher noch eine Menge Input aus diesem Artikel ziehen,

Als Fotograf musst du dich auf ein Genre spezialisieren

Das haben wir alle doch bestimmt schon einmal gehört, oder? Und unter gewissen Umständen ist das auch eine gute Strategie, um vor allem schneller als "Experte" in einem bestimmten Genre wahrgenommen zu werden. Aber im Endeffekt sollte die Fotografie vor allem eines sein: Eine Möglichkeit der Selbstverwirklichung im Spiel mit Licht und Schatten.

Ich habe diese Strategie selber lange verfolgt. Angefangen habe ich mit der Fine Art Architekturfotografie und damit haben mich die meisten von euch auch zuerst gefunden und verbunden. Als nächstes kam dann die Food Fotografie. Nicht, weil mir die Architekturfotografie keinen Spaß mehr machen würde - ganz im Gegenteil! Nicht umsonst gebe ich immer noch Workshops in diesem Bereich und bin jedes Jahr auf der Suche nach neuen Städten, die dafür besonders geeignet sind. Sondern um in der Zeit, in der Architekturfotografie einfach keinen Spaß macht (mitten im Winter und im strömenden Regen) ein weiteres Genre bedienen zu können, was mir genauso viel Spaß macht wie die Architekturfotografie. Und das bedeutet auch, ich kann euch hier ein kleines Geheimnis erzählen: Ich habe die Food bzw. die Still Life Fotografie schon immer, von Anfang an, gerne gemacht und verfolgt. Der Schritt, in erster Linie mit der Fine Art Architekturfotografie zu starten, war eine rein strategische Entscheidung.


Zum Zeitpunkt dieser Entscheidung war ich der Meinung, dass diese Bilder schlicht mehr Aufmerksamkeit erregen würden, also Produktaufnahmen oder fotografiertes Essen.

Aus diesem Grund fühle ich mich auch nicht so als würde ich in der Food Fotografie "noch nicht so weit sein". Beide Genres waren schon immer meine Leidenschaft, ich habe nur eine Zeit lang nur eines dieser beiden Genres öffentlich gezeigt.

 

Vor gut 5 Jahren kam dann die Tierfotografie dazu. Ab diesem Zeitpunkt war ich täglich von Katzen umgeben und es war natürlich obligatorisch, diese auch immer wieder zu fotografieren. Und je mehr ich das tat und je mehr ich übte und mich dort ausprobierte, umso mehr gefiel mir dieses Genre. Auch, weil ich gemerkt habe, wie ich Photoshoptechniken aus meinen anderen Genres in die Tierfotografie übertragen konnte. 


Und dort kam auch schnell eine deutlich positive Rückmeldung durch die gezeigten Fotos, was mich schlussendlich dazu gebracht hat, Tierfotografie "offiziell" als das 3. meiner Genres mit aufzunehmen und auf professionellem Niveau anzubieten. Die Tierfotografie war übrigens auch das erste Genre, in dem ich Endkundenshootings angeboten habe, weil ich auf viele Anfragen und starke, positive Resonanz dazu gestoßen bin. Auch das private Umfeld mit Tierschutz und immer vorhandenen Haustieren hat seinen Teil dazu beigetragen.

Mit 3 Genres, die ich als professioneller Fotograf anbiete, bin ich sicherlich nicht das, was man als "spezialisiert" bezeichnen würde. Keines meiner Genres ist aber aus einer "Not" heraus gewachsen oder mir auferlegt worden. Ich fotografiere alle diese Dinge mit genau dem gleichen Elan, genau der gleichen Leidenschaft. Ich könnte diese Genres nicht in eine Rangfolge bringen, selbst wenn ich müsste. Denn alle diese fotografischen Genres habe in meinem leben als Fotograf schon immer eine Rolle gespielt.


Dann kam es vor ca. einem Jahr dazu, dass ein mir bekannter Fotograf auf mich zu kam und meinte "Hey, du baust in deinen Videos doch immer Zeitraffer ein. Der Verlag, in dem ich mein Buch veröffentlicht habe, sucht gerade Autoren für ein Buch über Zeitraffer-Fotografie. Melde dich doch einfach mal bei denen, vielleicht ist das ja etwas für dich!" Gesagt, getan! Noch am gleichen Tag hatte ich ein Telefonat mit dem Projektmanagement des Verlages und die Aufgabe, doch einmal eine mögliche Gliederung und ein Konzept für ein Zeitraffer-Buch auszuarbeiten. Eine Woche später wurde das Konzept bewilligt und ich konnte meinen ersten Autorenvertrag unterschreiben!

Für das Buch war es natürlich nötig mich intensiv mit allen Aspekten der Zeitraffer-Fotografie auseinanderzusetzen.


Ich habe jetzt fast ein ganzes Jahr lang mit allen Aspekten der Zeitraffer-Fotografie gespielt, mich weitergebildet und verschiedenste Ausrüstungen getestet und benutzt um ein wirklich umfassendes Buch ausarbeiten zu können. Dadurch wurde ich "zwangsläufig" auch zum Experten für das Thema Zeitraffer. Und deshalb habe ich auch angefangen, meine aufwändigen Zeitraffer ebenfalls zu vermarkten und Lizenzen anzubieten.

Die Zeitraffer-Fotografie ist damit mein 4. Genre geworden. Und jetzt wollte ich euch doch eigentlich noch von den Sachen erzählen, die ich auch noch fotografiere, die aber niemand zu sehen bekommt? Ich fotografiere also noch mehr Sachen? Ja, und zwar sehr, sehr gerne!

Freie Projekte und nicht beworbene Genres

Ich habe es zu Anfang schon einmal gesagt: Fotografie ist für mich in erster Linie eine Art der Selbstverwirklichung, bei der ich meine Affinität zu allen visuellen Kunstformen voll ausleben kann. Und dazu brauche ich mehr als nur ein einziges Genre. Genauso, wie ich H.R. Giger, Keith Haring, Salvador Dali und Claude Monet für tolle Künstler halte, obwohl sie radikal unterschiedliche Werke erschaffen haben. 

Mir ist natürlich klar, dass ich vor allem als professioneller Fotograf nicht alle Genres, die ich interessant finde, auch auf einem professionellen Niveau bedienen kann. Und für diese Seite, meine professionelle Berufsfotografenseite, findet diese Differenzierung auch statt. Und das würde ich auch jedem Hobbyfotografen empfehlen, der mit seinen Werken bekannter werden möchte. Aber lasst euch davon auf keinen Fall die anderen Leidenschaften austreiben!

Die Werke, die aber wirklich niemand von mir in der Regel zu sehen bekommt, sind meine Hochzeitsfotografien. Es kommt immer wieder vor, dass mich Brautpaare für eine Hochzeitsbegleitung anfragen. Dadurch, dass ich keinerlei Werbung für Hochzeitsfotografie mache und mein Portfolio in diesem Genre nicht öffentlich einsehbar ist, ist den Paaren vorher sehr genau klar, wie meine Bilder aussehen werden und wie ich eine Hochzeit begleiten werde. Die Paare wollen explizit mich für diese Aufgabe haben, weil meine anderen Bilder, meine anderen Arbeiten, sie überzeugt haben. Erst als letzten Schritt schicke ich dem Paar dann mein Hochzeits-Portfolio, um den Bildstil noch einmal sehr genau zu verdeutlichen. Dadurch entstehen keinerlei Missverständnisse und meine bisherigen Hochzeitsbegleitungen waren sowohl für mich als auch für das Brautpaar immer äußerst positive Erfahrungen mit perfekten Ergebnissen für beide Seiten.

Und dazu kommen natürlich noch die ganzen, freien Projekte und reinen Hobbyaufnahmen, die ich nur mache, weil ich Lust darauf habe, etwas Neues auszuprobieren.

Dazu gehören Landschaftsfotografien und insbesondere Nacht- und Astrofotografien, die ich immer wieder gerne und voller Leidenschaft mache. Diese Bilder zeige ich in der Regel auch auf sozialen Netzwerken, beispielsweise aber nicht hier auf meiner Website. Trotzdem würde ich nicht auf diese Genres, auf diese Aufnahmen und Erfahrungen verzichten wollen, denn sie gleichen meine anderen Arbeiten aus und erlauben mir, mich einerseits völlig frei entfalten zu können und andererseits danach wieder fokussierter auf meine beruflichen Projekte zu schauen.

So wichtig es manchmal ist, als "der" Experte für ein bestimmtes Genre gesehen zu werden, um die eigene Expertise dort zu unterstreichen ist es aber doch ebenfalls wichtig, sich in seiner Leidenschaft, der Fotografie, trotzdem nicht einschränken zu lassen. Für mich ist Fotografie aber auch nicht bloß der Akt des Gestaltens von Fotografien, sondern die Auseinandersetzung mit allen visuellen Reizen, die mich tagtäglich umgeben. Das verfolge ich auch in meinen anderen Hobbies, wie beispielsweise dem Aquascaping.

Mir ist mit diesem Beitrag wichtig, dass du dich nicht von äußeren Konventionen im Ausüben deiner Kunst einschränken lässt. Es kann sinnvoll sein, nicht gleich alle Vorlieben auf einmal der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Aber das ist kein Grund, sie nicht trotzdem zu verfolgen. Oft kommt dann auch das Argument: "Warum fotografierst du dann, wenn du die Bilder nicht zeigen willst?"
Ich kann Fotografien erstellen, an denen nur ich mich erfreuen kann. Weil dort eine tolle Geometrie oder eine geile Lichtstimmung eingefangen ist, die vielleicht nur ich so richtig wertschätzen kann, weil ich sie mit einer besonderen Situation verbinde, die niemand nachvollziehen kann. Das geht. 


Unter Umständen kann es natürlich auch passieren, gerade im professionellen Umfeld, dass du Arbeiten auch gar nicht zeigen darfst. Meine Hochzeitsfotos sehen auch deshalb nicht alle, weil die Hochzeit natürlich auch ein sehr intimer, privater Moment ist. Und diesen Moment möchte ich, da ich kein professioneller Hochzeitsfotograf bin und damit meinen Lebensunterhalt verdiene, auch weiterhin als privat behandeln.

Lass dich daher nicht beschränken und probiere dich so weit du kannst in allen Bereichen aus. Diese Erfahrungen, die du dabei sammelst, kann dir niemand nehmen. Und ich verspreche dir, du wirst immer Dinge finden, die du dann auch wieder auf deine Hauptgenres anwenden kannst.

Hast du auch Genres, Projekte oder Arbeiten, die eigentlich niemand von dir kennt? Und warum ist das so, warum zeigst du diese Werke nicht? Lasse mir gerne einen Kommentar da und erzähle mir davon!

Bis demnächst,

 

Tobi



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