Tritt aus deinen Facebook-Gruppen aus, bevor sie dich runterziehen!

Ampel im Nebel von Tobias Gawrisch (Xplor Creativity)

Einige von euch werden schon meine Facebook-Notiz von vor ein paar Tagen gesehen haben, dieser Blogbeitrag kommt also nicht aus heiterem Himmel. Ich möchte dir heute erklären, warum ich in der letzten Woche aus insgesamt 67 Fotogruppen auf Facebook AUSgetreten bin! Genau, AUSgetreten. Und ja, wirklich 67. Here's why:

Ich habe über 2 Jahre lang alle meine Bilder auf Facebook großzügig in diverse Gruppen und auf diverse Seiten geteilt. Um Reichweite zu generieren, meine Bilder und mich selbst bekannter zu machen und umfangreiches Feedback (oder zumindest Geschmackstendenzen, dazu später mehr) einzusammeln. Und es hat mir und meiner Facebook-Fanpage sicherlich sehr geholfen, dass ich das so gehandhabt habe. Es war aber auch schon immer aufwändig, dass alles unter einen Hut zu bekommen. Das Teilen in die diversen Gruppen, mit kleinem Text noch dazu, hat mich jedes Mal ca. 1 Std. Zeit gekostet. Ich habe das gemacht, weil ich wusste, dass mich das auf lange Sicht gesehen wachsen lassen würde. Tat es auch. Bis jetzt.

Maine Coon Katze Raija von Tobias Gawrisch (Xplor Creativity)

Denn irgendwann fing ich an zu realisieren, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht mehr stimmte. Und bevor das jetzt als Kritik kommt: Es ging mir tatsächlich nicht darum, wie viele Likes meine Bilder in den Gruppen erreichen oder wie viele Leute darunter kommentieren. Es geht mir hier um den Verfall der Gruppen als Community in sich.

Wenn es mir nur darum geht, dass meine Bilder möglichst oft irgendwo auftauchen, dann kann ich sie natürlich auch in hunderte Gruppen pumpen und mir das einzelne Bild bzw. den Beitrag in den Gruppen danach nie wieder ansehen. Dann passiert aber genau das, was sehr vielen Gruppen auf Facebook zum Verhängnis wird: Sie werden ein Grab geteilter Bilder, die sich aber niemand ansieht, weil jeder nur sein Bild gnadenlos in die Gruppen teilt, danach die Gruppe aber nie wieder besucht. Einer der Gründe, warum viele Gruppenbetreiber mittlerweile das Teilen von der Fanpage aus untersagen. Und das kann ich verstehen, es ist aber auch nicht zielführend. Ich muss dann zwar einmal tatsächlich in die Gruppe um dort mein Bild zu posten, aber die Annahme, dass ich deswegen dann auch direkt mit der Gruppe interagiere, ist natürlich ebenfalls falsch. Die Wahrscheinlichkeit dazu mag steigen, Interaktion lässt sich aber eben nicht durch Regeln erzwingen.

Und genau das führt dann zu den unzähligen Fotogruppen, die pro Tag dutzende neue Einträge bekommen, und bei denen jeder Eintrag irgendwo zwischen 2-5 Likes und, mit Glück, noch einem Kommentar wie "Super!" oder "Tolles Bild!" hat. Warum das mit Gruppen passiert, habe ich oben erklärt. Und diese Entwicklung hat überhaupt nichts mit der Qualität der eigenen Bilder zu tun, es ist der fehlende Community-Gedanke vom Großteil der Nutzer dieser Gruppen (und davon nehme ich mich selbst auch überhaupt nicht aus). Dieses fehlende Gefühl einer "Gruppe" ist auch bedingt durch die schiere Anzahl an Gruppen, in denen man Mitglied ist. Und hier schließt sich jetzt der Kreis und das ist der Hauptgrund, warum ich aus so vielen Gruppen ausgetreten bin. Ich bin aus den ganzen Gruppen ausgetreten, die keinerlei Interaktion aufweisen. In denen das einzelne Bild offenkundig überhaupt nicht betrachtet wird und die nur als Ablage für die geschossenen Bilder unzähliger Fotografen dienen, in der vagen Hoffnung, jemand möge sich doch mal die Mühe machen die Bilder alle anzusehen und dann aus tiefster Überzeugung heraus auf die eigene Fanpage gelangen und ein Like dort hinterlassen. Denn, ganz ehrlich: Dazu ist mir meine Zeit zu schade. Bilder an Orten zu zeigen, an denen jeder zwar zeigt aber niemand betrachtet und interagiert, ist vergebene Liebesmühe. Du denkst dann vielleicht, du hast dein Bild in so krass vielen Gruppen gezeigt, dass es jetzt eine enorme Reichweite haben wird, aber das Gegenteil ist der Fall: Postest du nur in diese, falschen Gruppen, steigt die Reichweite überhaupt nicht und du hast aber trotzdem deine Zeit in das Teilen investiert.

De Oversteek Brücke in Nimwegen, Niederlande von Tobias Gawrisch (Xplor Creativity)

Und dann noch die Sache mit dem Feedback bzw. der Kritik: Es ist keine Kritik, wenn ich zu hören bekomme: "Da hätte ich aber mehr reingezoomt, um das und das am Rand nicht noch mit drauf zu haben." oder "Das ist mir aber zu dunkel, hätte ich heller gemacht." oder "Da gefällt mir aber die Farbe vom Himmel nicht." Das ist alles keine Kritik, dass sind Geschmäcker und Meinungen (da kommen wir wieder zu den Geschmackstendenzen vom Anfang). Das kann man natürlich schreiben, es hat aber nahezu keinen Mehrwert. Weder für den Fotografen, noch für die anderen Leser. Kritik muss begründet sein, sie muss nachvollziehbar sein. Um einmal die Wikipedia zu zitieren: "Unter Kritik versteht man die Beurteilung eines Gegenstandes oder einer Handlung anhand von Maßstäben."

Es müssen also nachvollziehbare Maßstäbe angelegt werden, was leider viel zu selten der Fall ist. Und das führt dazu, dass diese "Kritik", die keine ist, den Fotografen anhält sich zu rechtfertigen. Und diese Rechtfertigungen machen vor allem Eines: Schlechte Laune.

Aus diesem Grund bin ich jetzt "nur" noch Mitglied in 25 Fotogruppen. Das sind immer noch eine Menge Gruppen, dass stimmt. Für mich ist das aber schon eine krasse Reduktion. Und ich kann diesen Gruppen tatsächlich einen Teil meiner Aufmerksamkeit schenken und tue dies auch gerne, weil ich dort, im Vergleich zu der überwiegenden Zahl anderer Gruppen, insgesamt eher positive Erfahrungen mit dem Umgangston, der Kritikfähigkeit und der generellen Interaktion gemacht habe. Auch das kann sich in Zukunft noch ändern, denn die oben beschriebene Tendenz hin zu Gruppen, in denen nur gepostet aber nicht betrachtet wird, ist eine Tendenz die aus einer Mehrzahl der Mitglieder heraus entstehen kann.

Was dann zwischendurch auch passiert ist: Ich wurde aus einigen Facebook-Gruppen rausgeschmissen, weil ich mich nicht an die Gruppenregeln gehalten habe. Das zumindest haben die jeweiligen Admins behauptet. Das Problem, dass viele der Regeln einfach missverständlich und/oder unvollständig formuliert sind, wird dabei aber nicht wahrgenommen oder angegangen. Darauf habe ich dann auch keinen Bock. Es ist völlig OK, jemanden bei wiederholtem Regelverstoß aus einer Gruppe zu entfernen. Wenn aber die eigenen Regeln völlig willkürlich ausgelegt werden und es keinerlei Hinweise auf einen vermeintlichen Regelverstoß gibt, sondern man eines Morgens wie üblich in die Gruppe posten will und auf einmal nur noch den "der Gruppe beitreten" Button zu sehen bekommt, dann läuft da in der Kommunikation einfach etwas falsch.

Ich habe aber auch nicht die Muße, mit den jeweiligen Admins dann noch zu diskutieren oder überhaupt nur nachzufragen, was denn das Problem gewesen sein soll. Denn auch da gab es in der Vergangenheit nur Negativerfahrungen mit den Reaktionen so mancher Gruppenbetreiber.

Japanischer Knoblauch mit Pfeffer von Tobias Gawrisch (Xplor Creativity)

Einen letzten Grund gibt es aber noch, der jedoch nur für meine Position als professioneller Fotograf gilt. Als Hobbyfotograf kannst du diesen Grund ignorieren bzw. auch völlig anders sehen: Ich habe mich von allen internationalen Gruppen getrennt, um den Fokus wieder auf eine deutschsprachige Zielgruppe zu lenken. Das hat vor allem Gründe, die mit diesem Blog und dieser Website zusammenhängen: Ich verkaufe meine Produkte nur in Deutschland (aus verschiedenen Gründen) und ich gebe meine Workshops ebenfalls nur auf deutsch. Nicht, dass ich es nicht auf Englisch könnte (ich habe ja sogar einen englischsprachigen YouTube-Channel) aber meine Haupt-Zielgruppe sind einfach die deutschsprachigen Fotografen - ihr alle! Der internationale Markt besitzt eine sehr anders gestaltete Mentalität. Und er ist natürlich sehr viel größer und damit ist auch der Konkurrenzdruck sehr viel höher. Aus diesem Grund habe ich mich aus diesem Bereich zurückgezogen und werde mich erst einmal nur dem deutschsprachigen Raum widmen und meine Marktposition dort ausbauen und stärken. Und ich würde mich sehr freuen, wenn ihr alle ein Teil dieser Community werdet. Das waren also meine Gründe, warum ich aus so vielen Facebook-Gruppen ausgetreten bin und warum ich auch meine Videos und alle meine Aktivitäten wieder auf nur eine Zielgruppe fokussieren werde. Ich glaube, dass mir das etwas mehr Zeit verschaffen wird, vor allem aber mehr Fokus.

Ihr sollt jetzt natürlich nicht gleich hergehen und einen ähnlichen Kahlschlag bei euren Gruppen machen wie ich es jetzt gemacht habe. Ich muss aber sagen, dass ich die Entscheidung keineswegs bereue. Denn obwohl es natürlich von vornherein eine freiwillige Entscheidung war, meine Bilder und Videos in so vielen Gruppen zu verbreiten und die Arbeit dafür auf mich zu nehmen, fühlt es sich doch sehr befreiend an, hier alte Zöpfe abzuschneiden und sich wieder stärker zu fokussieren und diese Altlasten loszuwerden. Denn vergesst nicht, im Endeffekt war es sogar schädlich, Bilder in Gruppen zu teilen, die keinerlei Interaktion in sich selber aufweisen.

Wie siehst du das? Was sind deine Erfahrungen mit Facebook-Gruppen bisher und hast du vielleicht auch schon überlegt, dich auf einige, wenige Gruppen zu fokussieren? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

 

Bis demnächst!

Tobi



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Kommentare: 5
  • #1

    mv (Montag, 13 Februar 2017 22:10)

    Ja... Das ist sehr durchdacht und sehr auf den Punkt gebracht. Eigentlich bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als dir bei den gemachten Aussagen und den gezogenen Schlüssen zuzustimmen.
    Diese Gruppenleichen als Ablage für Bilder sind mir auch schon seit längerer Zeit bekannt und es fällt ja auf, wenn aus manchen Gruppen einfach gar kein Feedback kommt, und das völlig aus dem Durchschnitt ausbricht. Und sich von Beitrag zu Beitrag wiederholt.
    Aber irgendwie fand ich noch keine Zeit und Lust, mich einfach mal vernünftigerweise hinzusetzen und diese Gruppen zu lokalisieren und zu verlassen. Aber ich glaube das ist gerade ein sehr guter Anstoss, das eben doch mal zu tun.

    Das ist nur Ballast, und der stört. Grundsätzlich, überall. Ballast in Wohnungen führt zu Chaos, führt zu Ballast im Kopf... usw. Und das mit diesen Grab-Gruppen ist kein Stück anders. Es ist Ballast den niemand braucht.

  • #2

    Rainer Hoffmann (Dienstag, 14 Februar 2017 14:07)

    Als jemand, der nur in gerade mal in 5 FB Gruppen Mitglied ist, bin ich nur bedingt in der Lage, etwas über die Dynamik innerhalb der Gruppen zu sagen. Ich möchte aber gerne deine Aussage über die Kritik von Fotos kommentieren.

    Du schreibst:
    <Zitat>
    Es ist keine Kritik, wenn ich zu hören bekomme: "Da hätte ich aber mehr reingezoomt, um das und das am Rand nicht noch mit drauf zu haben". oder "Das ist mir aber zu dunkel, hätte ich heller gemacht." oder "Da gefällt mir aber die Farbe vom Himmel nicht." Das ist alles keine Kritik, dass sind Geschmäcker und Meinungen...
    </zitat>

    Auch mir geht es oft so, dass ich beim Anblick eines Fotos genau das denke (oder diverse andere Aspekte, die ich persönlich halt anders gemacht hätte). Ich glaube, dass sich bei der Beurteilung von Bildern der persönliche Geschmack unmöglich ausschalten lässt. Wenn man das versucht, bleibt nicht mehr viel zu sagen.

    Ich kenne das nur zu gut aus meinen Fotokursen. Da sage ich z.B. dass ich mir in einem Foto durchgängige Schärfentiefe gewünscht hatte. Und der Fotograf sagt: "Ich wollte das aber so".

    Oder ich sage, dass ich der Meinung bin, dass der Fuß der Person ein wenig mehr Abstand zum unteren Bildrand haben könnte. Und der Fotograf sagt: "Ich finde das aber gut so".

    Ich habe immer dann, wenn eine Linie genau in einer der Bildecken ausläuft, das Gefühl, dass das Bild in zwei Teile zerlegt wird. Mag ich gar nicht. Andere lassen ganz bewußt solche Linien in der Ecke auslaufen... Und ich mag keine Low Key Fotos, die nur deshalb Low Key sind, weil die Schattenpartien komplett abgesoffen sind. Da bin ich halt hoffnungslos old school.

    Was wäre also eine hilfreiche Bildkritik? Was kann ich wirklich sagen, ohne meinen persönlichen Geschmack einfließen zu lassen? "Woah, ist das knackscharf, wasn' das für'n Objektiv?" ist ja auch nicht unbedingt hilfreich.

    Kurz: Wer seine Fotos der Kritik stellt, wird akzeptieren müssen, dass die Kommentatoren ihre ganz persönliche Meinung einfließen lassen. Wenn man aber genügend Meinung eingeholt hat, wird sich zumindest der Main Stream Geschmack herauskristalliesieren. Und das ist ja auch schon was ;-)

  • #3

    Fabienne Heidorn (Mittwoch, 15 Februar 2017 11:10)

    Wow, toller Beitrag, der echt zum Nachdenken anregt. Ich fühle mich direkt betroffen, hänge ich doch als nebenberufliche Fotografin grad zwischen den Stühlen - soviel wie möglich teilen, um Aufmerksamkeit zu bekommen oder nicht? Und wenn nicht, wie bekommt man dann Leute auf seine Seite, wenn FB wieder mal die Reichweite beschränkt... Echt schwierig, aber du hast völlig recht, es kostet immens viel Zeit und der Benefit ist eher überschaubar.
    Danke für die anregenden Worte.

  • #4

    Frank Datko (Mittwoch, 01 März 2017 15:09)

    Die Präsenz in den sozialen Medien ist eher Fluch als Segen. Wer (haupt)beruflich nicht auf sie angewiesen ist, sollte das Ganze gut dosieren und sich eher auf Qualität (Foto und Beiträge) als auf Quantität achten. Bildkritiken, die einem wirklich etwas bringen, bekommt man auf Grund der Flut von Inhalten ohnehin nicht. Und wer kann schon wirklich eine inhaltlich korrekte und aussagekräftige Bildkritik verfassen? Es gibt einfach zu viele "Fotografen/innen". Deine Zitate bringen das deutlich zum Ausdruck. Ich selbst habe einige wenige Berufsfotografen abonniert und bin eben auf einer solchen Empfehlung via facebook hier gelandet. Es braucht alles eben seine Zeit. Und letztlich setzt sich nur die Qualität durch!

  • #5

    Frau Pudelwohl (Mittwoch, 22 März 2017 19:14)

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Hat mich durchaus überzeugt :)