Warum ein UV-Filter als Schutzfilter sinnlos ist

Es ist soweit: Heute beschäftigen wir uns mit einem der ganz großen Glaubenskriege in der Fotografie: Soll ich einen UV-/Schutzfilter auf mein Objektiv schrauben oder nicht?

Meine Antwort dazu ist ein klares, unmissverständliches NEIN. Und ich möchte euch auch ganz genau erklären, warum ich das denke.

Kratzer, Staub, Fingerabdrücke, Wasserflecken... es gibt so viele Dinge, die eine Frontlinse im Laufe ihres Lebens so abbekommen kann. Aber was davon hat tatsächlich einen negativen Einfluss auf das Bild? Wie verhältst du dich, wenn du einen Kratzer auf deiner Frontlinse entdeckst? Und warum halte ich Schutzfilter generell für keine gute Idee?
Zuerst einmal zum Thema Schutzfilter selbst: Die Zubehörhersteller haben in den letzten Jahren immerhin gemerkt, dass ein UV-Filter eben ein UV-Filter und kein Schutzfilter ist. Ein UV-Filter erfüllt einen ganz konkreten Zweck, nämlich UV-Licht zu filtern. Dieser Zweck ist bei allen aktuellen Digitalkameras vollkommen unnötig, da der Sensor selbst eine UV-Schutzschicht besitzt. Thema erledigt.

Dann kamen die Schutzfilter.


Also nichts anderes als Klarglasfilter, ohne optischen Effekt. Sie sollen dem Schutz der Frontlinse dienen und werden konkret für diesen Zweck beworben. Ich sehe hier jetzt mehrere Probleme, die aus meiner Sicht auch schlicht und ergreifend mit normalen Menschenverstand zu begründen sind, die einen solchen Schutzfilter für mich ausschließen:

  1. Die Frontlinse deines Objektivs besteht aus gehärtetem, vergüteten Glas. Hast du schon einmal versucht, einen Kratzer in Glas zu machen? Auf einer Fensterscheibe z.B. (was nicht extra gehärtet oder vergütet ist)? Glas ist ein verdammt hartes Material. Dort einen Kratzer zu verursachen, braucht schon einer gewissen Kraft oder sehr ungünstige Umstände. Die meisten Kratzer auf Smartphones z.B. entstehen durch Stürze, nicht weil etwas konkret auf dem Glas kratzt.
  2. Ein Filter, egal welcher, fügt ein optisches Element (Glas, Linse) in den Strahlengang des Objektivs ein, was bei der Konstruktion des Objektivs nicht mit berücksichtigt wurde. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Maßnahme die Abbildungsleistung des Objektivs verschlechtert, halte ich für vollkommen logisch nachvollziehbar. Ob dieser Verlust an Abbildungsleistung wirklich sichtbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Es ist aber einfach eine etwas seltsame Vorstellung, einen (im Zweifelsfall) 10€ Klarglasfilter vor ein 1000€ Objektiv zu schrauben, vor allem, wenn du Punkt 1 mit einbeziehst. Gerade die günstigen Filter, die vielleicht nicht 100% plan geschliffen sind, die nicht extra vergütet und entspiegelt sind, erzeugen mit etwas Pech zusätzliche Lensflares, Ghosting-Artefakte und Reflexionen zwischen Filter und Frontlinse, die sich allesamt auf die Bildqualität auswirken können.
  3. Ebenfalls für sehr logisch nachvollziehbar halte ich das Risiko, dass der Schutzfilter in Wahrheit eine viel größere Gefahr für die Frontlinse darstellt als sein Name suggeriert. Stell dir vor, der Filter bricht und splittert, weil er z.B. von einem umherfliegenden Steinchen getroffen wurde. Die Splitter zerkratzen dir jetzt die Frontlinse an wesentlich mehr Stellen, als es das eine Steinchen geschafft hätte.

Ich möchte dir jetzt aber nicht nur meine persönliche Meinung darüber nahelegen sondern dich auch mit Beweisfotos ausstatten, die meine Punkte untermauern. Da ich selber jetzt leider kein völlig zerstörtes Objektiv zur Verfügung habe, haben sich zum Glück andere die Mühe gemacht, dass ganze einmal am konkreten Objekt zu testen und festzuhalten. Deshalb schaut an dieser Stelle doch einmal bei Kurt Munger auf seinem Blog Dirty Lens Article vorbei. Der Artikel ist leider nur auf Englisch verfügbar, aber alleine die Beispielbilder machen sehr deutlich, dass selbst eine völlig versaute und zerstörte Frontlinse nur einen sehr geringen Einfluss auf die Bildqualität hat.

Ein anderer Artikel stammt von René Sturm von objektiv-verleih.de, indem er ebenfalls auf den Einfluss von Kratzern auf der Frontlinse von Objektiven eingeht, vor allem in Bezug auf seine Situation als Verleiher. Ebenfalls sehr interessant und aufschlussreich, wenn auch nicht ganz so dramatisch bebildert.

Aber wie schütze ich denn jetzt meine Objektive vor Kratzern usw.?

Die ehrliche Antwort müsste: "Kaum." lauten. Ich habe das Ganze ja auch schon einmal in einem früheren Video erklärt, wie ich denke, dass man mit seiner Ausrüstung umgehen kann, was meine Ausrüstung für mich bedeutet, was sie ist und eben auch nicht ist. Schaut mal rein, wenn euch meine Meinung zu dem Thema näher interessiert.

Der für mich immer noch sinnvollste und beste Schutz für jedes Objektiv ist die Streulichtblende. Und ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie viele Leute ihre Objektive ohne Streulichtblende benutzen oder garkeine besitzen. Selbst in trockenen Innenräumen benutze ich kein Objektiv jemals ohne die Streulichtblende. Das ist für mich ein absolut essentieller Bestandteil eines Objektivs und besitzt nur Vorteile.


Soviel als zum Thema Schutzfilter und Schutz der Frontlinse! Wie steht ihr dem Thema gegenüber? Benutzt ihr Schutzfilter und zieht einen Vorteil daraus, den ich vielleicht übersehen habe? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt auf eure Antworten!

 

Bis nächste Woche,

 

Tobi



Wenn dir dieser Artikel gefallen hat und du möchtest, dass ich weiterhin viele, kostenlose Informationen, Artikel und Videos für dich produzieren kann, dann unterstütze mich indem du diesen Artikel mit deinen Freunden teilst.
Und wenn du öfters mal bei Amazon einkaufst, kannst du mich unterstützen, indem du meine Affiliate Link benutzt:


Kommentar schreiben

Kommentare: 8
  • #1

    Andreas (Sonntag, 20 November 2016 09:33)

    Hallo,
    danke für diesen Blogeintrag und für die Bestätigung. Ich habe auch jahreland einen UV-Filter als Schutz genutzt und keine 10€ Stücke sondern die waren schon etwas teurer. Mittlerweile bin ich auch davon abgekommen. Genau aus diesen Gründen, die du hier gerade anführst. Es ist völlig unsinnig. Danke nochmal hierfür.
    Gruß
    Andreas

  • #2

    Sascha (Sonntag, 20 November 2016 13:05)

    Ein interessanter Artikel, der mich zum nachdenken angeregt hat. Vermutlich war ich in der Vergangenheit wohl etwas zu über vorsichtig, denn bis vor kurzem benutzte ich den UV-(Schutz)filter in Kombination mit der Streulichtblende. In Zukunft werde ich das wohl auf das Wesentliche reduzieren und nur noch die Streulichtblende am Objektiv nutzen.

  • #3

    Christian Pinzl (Montag, 21 November 2016 20:41)

    Du hast vollkommen Recht. Wer fotografiert schon gerne durch eine Fensterscheibe? Bei fast jedem Objektivkauf wird dir automatisch ein UV Filter mitempfohlen... Bin grad dabei alle UV Filter abzunehmen. Viele Grüße.

  • #4

    Stefan (Sonntag, 05 Februar 2017 15:57)

    Hi,
    vielen Dank für den Artikel. Ich musste doch etwas schmunzeln. Hatte mir letztes Jahr ein Canon 24 -105 mm /f4 L Objektiv gebraucht gekauft. Dann noch ein neues Tamron 70 -300 mm so zum rumtesten. Irgendwann ist mir dann aufgefallen dass das Tamron schärfer gezeichnet hat als das Canon. Ich hatte früher auch schon L-Objektive und die waren alle Knackscharf.
    Also, noch mal genau hingeschaut und das gebrauchte Canon hatte noch so einen billigen UV-Filter drauf. Warum ich den nicht gesehen habe, keine Ahnung. Na ja, UV Filter runter und alles bestens. Man lernt nie aus :)
    Beste Grüße,
    Stefan

  • #5

    Hermann (Dienstag, 16 Mai 2017)

    Tach zusammen,
    also mich können Deine Argumente nicht wirklich überzeugen. Auf allen (außer den langen Tüten) benutze ich Protect-Filter des Linsenherstellers & konnte bisher keine Nachteile feststellen. Ein "Filter" ist wesentlich einfacher zu reinigen als die gebogene Frontlinse an dessen Ränder man sowiso nicht ran kommt & wenn er wirklich mal hin ist gibt es halt einen neuen. Frontlinse reparieren lassen wird teurer. Wenn angeblich eine beschädigte Frontlinse so gut wie nix ausmacht, warum dann so viele Worte wegen einer Glasscheibe. Und Steinschlag genau auf´s Objektiv, mir ist kein derartiger Fall bekannt und fotografiere schon ein paar Jahrzehnte.
    Allzeit gut Licht, Hermann

  • #6

    Horst (Samstag, 03 Juni 2017 10:23)

    Hermann....... Daumen hoch!!!!!!!

  • #7

    Mario (Samstag, 03 März 2018 11:27)

    Vielen Dank für den Beitrag, obwohl ich seit 10 Jahre fotografiere - mal mehr, mal weniger - Ringe ich jedesmal mit mir, wenn ich ein neues Objektiv kaufe. Der ausschlaggebende Grund, warum ich jetzt darauf verzichte, waren Foto gegen die Sonne. Habe ich bei "normalen" Bilde keine Nachteile gesehen, sind mir die Nachteile bei Gegenlichtaufnahmen sehr stark aufgefallen. Auf dem Filter waren Staubpartikel und diese haben ich auch auf den fertigen Fotos als Lichtstörungen gesehen. Direkt auf der Linse wäre das Problem wahrscheinlich garnicht so stark gewesen. Erst habe ich gedacht es wären leichte Lensflares aber dafür waren die Störungen zu unregelmäßig. Schlimmer noch als ich in Lightroom die Funktion Dehaze und Klarheit anwendete, habe ich auf einigen Fotos einen sehr sehr leicht gespiegelten Schriftzug entdeckt, als ich die Effekte weiter erhöhte, konnte ich den Text interpretieren auch wenn dieser verschwommen war. Da stand 0,5mm/1.64ft4f!!! Was passiert? der Filter hatte die Objektiv-Angaben, welche vorn im Objektiv stehen, gespiegelt und auf den Sensor geworfen. Die Bilder konnte ich zwar noch retten aber ärgerlich ist das schon gewesen. Daher vertrete ich auch die Meinung überflüssig und Geldmacherei.

  • #8

    Robert (Sonntag, 04 März 2018 10:01)

    Hallo zusammen.
    Ich bin gerade über euren sehr interessanten Meinungsaustausch gestolpert, da ich mich gerade auch mal wieder mit dem Thema UV oder Schutzfilter beschäftige. Generell vertrete ich auch die Meinung, wie weiter oben schon mal sehr schön umschrieben: "warum kaufe ich mir für viel Geld eine gute Optik, um dann durch Fensterglas zu fotografieren?".
    Ich glaube so einfach lässt sich der Filter nicht wegreden. Ja, die optische Konstruktion eines Objektives, wird mit jedem nicht eingerechneten stück Glas vor der Frontlinse, bestraft. Soweit gehe ich mit. Auch hab ich irgendwann mal mit ganz einfachen Filtern, als Schutz der Linse, angefangen.
    Habe aber rasch gemerkt, wie ungünstiger Lichteinfall bei billigen Filtern, das Fotoresultat zu nichte macht. Da ich aber selten in reinraumbedingungen Fotografiere, war trotzdem immer das verlangen da, das schwer verdiente Objektiv zu schützen. Also investierte ich irgendwann mal mehr Geld in Fensterglas und dessen Vergütung. Siehe da: unter berücksichtigung von Lichteinfällen, kann man mit so einem Fremdobjekt vor dem Objektiv leben. Habt ihr schon mal durch eine saubere Fensterscheibe Fotografiert, wo keinerlei Seiten- oder Rücklicht eingefallen ist? Ja auch das geht, man wird es vermeiden, aber es geht. So....worauf will ich nun eigentlich hinaus.
    Wenn es die Rahmenbedingungen zulassen, versuche ich natürlich immer den Fremdkörper da vorn wegzulassen. Aber es gibt viele Situationen, da möchte ich einen Schutzfilter nicht missen.
    Ich fahre zu gern an die See. Da gibt es sehr viel schöne Motive. Dort gehts bei mir aber "NIE" ohne Filter hin. Nach einem längere Strandaufenthalt, hole ich dann die Salzkruste von meinem Schutzfilter und nicht von der Frontlinse. Ob deren Beschichtung das auch ohne weiteres mitmacht, weiss ich nicht, will ich auch nicht beurteilen aber ich hab dabei ein besseres Gefühl.
    Den schlimmsten Fall hatte ich mal, als ich bei Sturm interessant Aufnahmen am Strand gemacht habe. Die Bilder wurden zunehmend schlechter. Warum. Trotz mehrfachvergütetem Schutzfilter, war dieser, stumpf und förmlich Sandgestrahlt. Die "schützende" Geli, hat diesen effekt Trichterartig verstärkt. Ab diesem Punkt war ich froh, das ich "nur" einen Filter eingebüst habe und kein Objektiv.
    Das alles klärt nicht die Frage ob Filter Ja oder Nein oder Geldschneiderei. Soll es auch nicht.
    Ich wollte damit nur anregen mal darüber nachzudenken, warum manche Sachen trotzdem ihre daseins Berechtigung haben und sicherlich oft zweckgebunden sind, ohne irgendeine Aussage, des sehr schön erklärten Berichtes dieser Seite in Frage zu stellen.