Motivation, Rückschläge und der innere Schweinehund


Keine Angst, ich möchte mich in diesem Blogbeitrag nicht auch noch als Motivations-Coach, Business-Trainer oder Berater darstellen. Das machen andere schon ausgiebig genug. Ich möchte euch einfach nur einen echten Einblick in einige meiner Gedankengänge geben, die mich auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleitet haben und es auch immer noch tun. Und zwar nicht nur die positiven, auch die negativen, zweifelhaften Gedanken. Denn ohne diese ist das finden von neuer Motivation wahrscheinlich gar nicht möglich.

Den Traum von der Selbstständigkeit habe ich schon sehr lange, wahrscheinlich schon länger, als ich das wirkliche Vorhaben mich selbstständig zu machen hatte. Es war nicht immer die Fotografie, früher ging es mehr in die Richtung Marketing-Agentur oder Unternehmensberatung. Der Punkt war aber immer: Ich will etwas für andere erarbeiten und dabei meine eigenen Erfahrungen und mein eigenes Wissen vollständig ausnutzen können. Und zwar ohne, dass jemand über meinem Kopf bestimmt, was davon jetzt gebraucht wird und was nicht. Die Geschichte, wie es dann konkret zur Fotografie für mich kam habe ich ja schon einmal ausführlich in einem VLOG beschrieben und erspare ich euch jetzt an dieser Stelle.

Worauf ich hinaus will, ist folgendes: Egal, welche Art der Selbstständigkeit in welchem Beruf ich mir irgendwann einmal vorgestellt hatte, das Grundproblem war immer gleich: Was macht dich besser als andere? Warum solltest du Aufträge kriegen? Würde ich mich selber für diese Arbeit bezahlen wollen? Zweifel. Zweifel, die jeder von uns auf die eine oder andere Weise bestimmt schon einmal erlebt hat (und das muss noch nicht einmal im professionellen Umfeld gewesen sein). Was mich aber ausmacht, ist die Fähigkeit mich durch konkrete Ziele und Probleme zu motivieren. Das konnte ich schon immer gut und es fällt mir bis heute auch schwer, dass sauber zu verbalisieren, warum das so ist. Meine tiefe Überzeugung und vielleicht meine tiefste Grundeinstellung ist die eines Probleme-Lösers. Sobald ich ein Problem erkenne, völlig egal in welcher Beziehung, öffnen sich in meinem Kopf sofort diverse Türen mit diversen verschiedenen Wegen um dieses Problem anzugehen. Ob das jetzt abstraktes Denken oder Pragmatismus ist, wage ich nicht zu beurteilen. Ich weiß nur, dass es so ist. Und genau hier beginnt jetzt die Spirale aus Motivation und Selbstzweifel:

Die Motivation war, Fotograf zu sein. Ein vergleichsweise simples Ziel. Aber erst mit der Zeit wird klar, was für ein Rattenschwanz an Unterthematiken da dranhängt, die alle ebenfalls Unterproblematiken enthalten. Ich habe das einmal in einer Mindmap versucht zu visualisieren, da die grafische Darstellung das Problem viel deutlicher macht als jede verbale Beschreibung.

Das ist wirklich nur eine schnell aufgeschriebene und garantiert unvollständige Auflistung aller Aspekte, an die ich auf einmal denken musste. Als es alles noch ein Hobby war, habe ich immer bis zu den jeweils ersten Knotenpunkten, in manchen Bereichen (durch mein Vorwissen und meine Erfahrung) auch mal bis zum 2. Knotenpunkt gedacht (Backups waren mir schon immer wichtig, genauso wie starkes Marketing). Aber gerade auf der Gewerbeseite taten sich auf einmal so dermaßen viele Türen auf, mit denen ich vorher nie etwas zu tun hatte, dass ich im ersten Moment von neuen "Problemen" nur so erschlagen wurde. Aber genau hier greift jetzt wieder mein Kopf ein:

Meine Problemlösungsfähigkeiten griffen auch hier ein, ich habe aber schnell gemerkt, dass ich trotzdem durch die Masse überfordert bin. Ich brauchte einen Auslass für die ganzen Gedanken. Seit ich mein Gewerbe gegründet habe, schreibe ich viel mehr auf als vorher. Auch, weil ich jetzt mehr Dinge vergesse. Altes wird durch neue Probleme und die neuen Gedankengänge verdrängt. Kalender, Evernote, Wunderlist und was es sonst noch so an Produktivitäts-Tools gibt wurden sehr viel wichtiger für mich, da sie mir helfen, die ganzen Gedankengänge zu strukturieren. Einige würden so eine Wandlung als Negativ wahrnehmen. Für mich ist es aber eine Chance mein Potenzial stärker zu nutzen als ich es vorher tun konnte. Und zwar weil ich dazu gezwungen werde.

Ich war immer äußerst pragmatisch angelegt und bin es auch heute noch. Und das führt oft zu Meinungen, die nicht immer massenkonform sind. Und gerade mit der Selbstständigkeit habe ich selber erfahren, was es heißt wirklich an einer Entscheidung zu zweifeln, wirklich nicht zu wissen, ob etwas richtig oder falsch war. Aber hier haben mir mein Leben lang schon 2 Prinzipien immer geholfen:

  1. Ich kann nicht wissen, ob etwas gut oder schlecht, richtig oder falsch war, bis ich es nicht selber ausprobiert habe.
  2. Wenn es ein Problem gibt, löse es.

Das klingt erstmal unheimlich logisch, ist aber tiefgreifender als viele Leute denken. Ich meine damit auch: Wenn du von etwas überfordert bist, dann sorge dafür, dass es dich nicht mehr überfordert! Leichter gesagt als getan? Schon möglich, dennoch ist es wahr und der einzig richtige Weg. Wie du dazu kommst, dass es dich nicht mehr überfordert, steht auf einem ganz anderen Blatt und kann völlig unterschiedliche Ausprägungen haben. Darüber würde ich mir nie anmaßen zu urteilen. Aber Fakt ist: Es gibt ein Problem und das bedarf einer Lösung!

Hierzu einmal 2 Beispiele aus meinem bisherigen Werdegang als selbstständiger Fotograf:

Ich mache meine Buchhaltung, meine Warenwirtschaft, meine Steuererklärung usw. alles selber. Ich habe gelernt, dass zu können. Ich habe aber auch gelernt, dass es für mich unnötige Arbeit ist, die viel schneller erledigt werden könnte von jemandem, der nichts anderes tut. Ich habe also die Erkenntnis, dass ich durchaus in der Lage bin, diese Aufgaben zu erledigen. Ich habe aber auch die Erkenntnis, dass ich nicht sonderlich effektiv darin bin. Das lässt mir 2 Optionen: Ich werde effektiver oder ich gebe diese Aufgaben ab (entweder an Mitarbeiter oder an automatisierte Lösungen). Ich habe zu den Anfängen meines Online-Shops alle Bestellungen von Hand abgewickelt, von Hand die Bestätigungs-Mails geschrieben, von Hand die Download-Links generiert. Es ging, war aber ein unglaublicher Aufwand! Also habe ich einmal ein komplettes Wochenende investiert, um zu versuchen, diese Aufgaben vollständig zu automatisieren. Und das ist mir nach diesem Wochenende auch gelungen! Und ähnlich werde ich im kommenden Jahr mit meiner Buchhaltung verfahren.

Das 2. Beispiel zielt auf die Motivations-Schiene: Ich habe auf Facebook über 5.000 Follower auf meiner Seite und habe gerade eben die 1.000 Abonnenten auf YouTube erreicht. Das sind Zahlen, die mich unheimlich stolz machen! Aber es sind nur Zahlen. Wenn ich die tatsächliche Interaktion beobachte, dann bekomme ich auf Facebook selten über 100 Likes für einen Post und meine VLOGs auf YouTube liegen bei 200-300 Views. Und das frustriert mich. Und es lässt mich zweifeln. Zweifeln an meiner Arbeit, zweifeln an der Wahl des richtigen Mediums und auch zweifeln an der Wahrhaftigkeit dieser Zahlen. Aber ich höre nicht auf. Denn genau diese Zweifel lassen mich mehr arbeiten, mehr ausprobieren und mehr nachdenken. Genau diese Zweifel sind als Motivationsquelle unersetzlich für mich! "DO MORE" hat sich Casey Neistat auf den Arm tätowieren lassen. 2 simple Worte, die aber tatsächlich alles ausdrücken, was ich ebenfalls empfinde. MACHE MEHR! Wenn etwas nicht richtig funktioniert, mache noch mehr, hänge dich noch mehr rein! Wenn du zweifelst, mache mehr von dem, was dich deine Zweifel vergessen lässt. Mache mehr von dem, wovon du überzeugt bist. MACHE MEHR! 

Und jetzt kommt der alles entscheidende Punkt: Wenn du jetzt sagst: "Ich kann aber nicht mehr mehr machen." oder "Dafür habe ich aber keine Zeit." dann ist es dir nicht wichtig genug. Punkt. Denn wenn du den Wunsch und das Verlangen hast mehr zu machen, dann machst du mehr, allen Zweifeln und allen Umständen zum trotz.

Eine sehr schöne Szene dazu gibt es auf dem YouTube-Kanal von Gary Vaynerchuck. Das Video ist nur 49 Sekunden lang und verdeutlicht wunderbar, worum es geht, worum es mir auch geht. Mehr machen bedeutet Verzicht auf andere Dinge, es geht nicht anders. Aber wenn du nicht bereit bist, auf andere Dinge zu verzichten, dann kannst du auch nicht mehr machen! Die Frage ist also extrem simpel: Wieviel bist du bereit für deine Wünsche zu geben?


Dieser Artikel war heute mehr eine Art Brain Dump, eine ungefilterte Niederschrift meiner möglicherweise unstrukturierten Gedanken zum Thema Motivation und der Überwindung des inneren Schweinehundes. Aber ich bin davon überzeugt: Wenn du dich nicht selber pusht, dann macht es auch kein anderer für dich. Du musst selber von etwas überzeugt sein und wirklich dafür brennen, sonst machst du es nicht. Und du brauchst ein Ziel.

Und deshalb kannst du dir hier die 3 Zitate von oben als vollaufgelöste Bilder herunterladen. Druck sie dir aus, benutze sie als Handy-Hintergrund oder verarbeite sie in anderen Projekten, mache einfach irgendetwas damit. Ich möchte dafür auch keine Credits haben, nimm sie einfach und lasse dich von ihnen motivieren!

Nächste Woche geht es dann wieder mehr um das Thema Fotografie, bis dahin bin ich noch Videos & Fotos produzieren, weitere Blogartikel schreiben, neue Produkt-Konzepte entwickeln und ach ja, meine Master-Arbeit in Sozialwissenschaften steht ja auch noch an.

 

 

Also, bis nächste Woche!

Tobi



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Kommentare: 4
  • #1

    Mathias Beckmann (Sonntag, 21 August 2016 14:01)

    Hallo Tobi,

    netter Artikel. Ich mag ja diesen Businesskram ;-) Und ich finde es auch immer wieder interessant wie andere damit umgehen. In einem Punkt mag ich dir aber widersprechen nämlich bei der Aussage: Mache mehr!

    Warum? Es sollte meiner Meinung nicht das Ziel sein immer mehr und mehr zu machen. Wenn ich z.B. mit 180kmh auf der Autobahn fahre und dann meine Geschwindigkeit sogar noch auf 250kmh erhöhe während ich nach Rom fahre, bringt das alles nichts, wenn mein Ziel eigentlich Hamburg wäre.

    Was ich damit sagen will ist, dass man nicht mehr sondern das Richtige tun sollte. Was bringt es mir irgendwann 16 Std. am Tag zu arbeiten aber trotzdem nicht voran zu kommen? Das ist sicherlich auch eine Mentalität die immer mehr vorhanden ist, stetig und viel was zu machen, ob das wirklich richtig und sinnig ist was man da macht, ist ja mal was anderes ;-)

    Aber um den Bogen zu deiner Aussage zu schaffen und gleichzeitig noch etwas Businesskram mit einzubinden. Man kann sagen dass man sich nach dem Pareto-Prinzip die 20% heraussucht die für 80% des Erfolgs ausmachen und macht einfach davon mehr ;-)

    In diesem Sinne
    Mathias

  • #2

    Tobi (Sonntag, 21 August 2016 14:04)

    Da würde ich dir auch nie widersprechen, Mathias! :-)
    Denn da greift dann ja eine andere Mentalität: Ich weiß nicht, ob etwas richtig oder falsch ist, bis ich es selber erfahren habe. Nimm das mit auf und dann widersprechen sich unsere Aussagen auch überhaupt nicht :-)

  • #3

    Bart (Montag, 22 August 2016 13:06)

    Ja, heute muss man immer schneller weiter höher... bis man umkippt. Ich bin auch der Meinung das man sich nur darauf konzentrieren soll was geht und die nicht so gut laufenden Bereiche abstoßen.

    Zum Thema Follower und Likes: Greift da nicht Facebooks Reichweitenbegrenzung? Ich würde mal vermuten das nicht alle 5000 deine Beiträge sehen. Erst wenn die diese bewirbst... Ansonsten habe ich die Erfahrung gemacht, das einige einfach zu faul sind ein Like zu geben.
    Ich hätte da mal eine Frage, die so ein bisschen auf die Likes deiner Bilder abzielt... Die Bilder die bei dir geliked werden und die du verkaufst, sind das die gleichen? Ich habe nämlich schon öfter gehört dass das zwei verschiedene paar Schuhe sind...

    Bye Bart

  • #4

    Tobi (Montag, 22 August 2016 13:12)

    Ich lebe ja nicht von Bildverkäufen, daher sind das auch nicht dermaßen viele. Aber einiges, was ich als Stockmaterial bei Fotolia habe, habe ich nie auf Sozialen Netzwerken gezeigt. Andere Bilder aber schon, das mischt sich.

    Und klar sehen nicht alle deine Follower alle deine Beiträge, dass ist ja bekannt und auch kein Problem. Trotzdem ist die Interaktionsrate messbar und vergleichbar mit anderen Seiten. Du kannst ja auch in den Seitenstatistiken deiner eigenen Seite andere Seiten beobachten und dich so direkt mit anderen Seiten vergleichen, die dann vielleicht auch thematisch gut zu deiner Seite passen.