Meine Backup-Strategie (und wie ein gutes Backup aussehen sollte)

In der IT gibt es ein Sprichtwort: "Wenn eine Datei nicht an mindestens 3 verschiedenen Orten existiert, existiert sie nicht!"
Dieser Grundsatz sollte gleichzeitig die Grundlage für eine gute und sichere Backup-Strategie sein und genau nach diesem Grundsatz behandle ich auch meine Dateien, allen voran natürlich meine Foto-Datenbank.
Ich will dir in diesem Artikel nicht unbedingt konkrete Produktempfehlungen geben (zumindest was Festplatten und andere physikalische Speichermedien angeht), sondern dir die Wissensgrundlage mitgeben, mit der du dir eine eigene Backup-Strategie aufbauen kannst. Dazu gehört zuerst, dass ich dir erkläre, wie ich meine Dateien handhabe und anschließend die Theorie, die dahinter steckt. Mit der kannst du dann einen eigenen Workflow entwickeln, der für dich funktioniert. Vielleicht entspricht ja auch ein Großteil meines Workflows deinen Vorstellungen, dann kannst du auch direkt meine Ideen übernehmen. Aber eines solltest du auf keinen Fall tun: Diesen Artikel lesen aber nicht umsetzen! Denn verlorene Daten, vor allem Fotos, sind nicht nur bloß ärgerlich. Es sind festgehaltene Erinnerungen, die wir vielleicht ohne unsere Fotos schon längst komplett vergessen hätten. Und für einige ist es auch ein Teil des eigenen Humankapitals, wenn wir unsere Bilder verkaufen und mit ihnen unser Geld verdienen.

Verschiedene Backup-Lösungen (lokal & off-site) zur Sicherung sensibler Daten
Verschiedene Backup-Lösungen (lokal & off-site) zur Sicherung sensibler Daten

Meine Backup-Strategie

Wir arbeiten uns jetzt am einfachsten von "Innen" nach "Außen" durch meine Backup-Strategie, also beginnend mit der Dateihandhabung auf dem Rechner und lokal und anschließend übergehend an die Off-Site Backup-Lösungen.

Lokal benutze ich einen 27" iMac mit eingebauter SSD & HDD. Auf der SSD liegt nur das Betriebssystem und die Programme, die HDD hält meine Benutzerdaten. Was Fotos angeht, liegt auf der HDD der Lightroom-Katalog, aber NICHT die Fotodateien selbst. Dass ist auch eine der größten Stärken von Lightroom, die getrennte Handhabung von Katalogdatei und eigentlicher Bilddatei.

Alle meine Fotos liegen aktuell auf einem 2x2TB RAID1. Für alle, die nicht wissen, was ein RAID ist, empfehle ich euch den passenden Wikipedia-Artikel. Kurz gesagt sorgt ein RAID1 dafür, dass alle Daten, die sich auf einer Festplatte befinden, zeitgleich auch auf einer anderen Festplatte vorhanden sind. Das RAID1 wird mir in meinem Rechner als eine einzige 2TB Festplatte angezeigt, physikalisch stehen aber zwei 2TB Festplatten in meinem Schreibtisch, die alle Daten ständig synchron halten. Ein solches System liefert eine Ausfallsicherheit, weil eine Festplatte ausfallen kann, ohne das die Daten verloren gehen, da diese weiterhin auf der anderen Festplatte vorhanden sind. Ein RAID1 ist dabei die simpelste Lösung für Ausfallsicherheiten. Andere RAID-Level sind hier effektiver in der Speicherhandhabung (z.B. RAID5), benötigen aber auch mehr Festplatten, um zu funktionieren (3-4 Platten für einen RAID-Verbund). Ohne jetzt zu tief in technische Details einzusteigen ist der Hintergrund einfach der, dass ich sicher sein möchte, auch immer auf meine Foto-Datenbank zugreifen zu können und einen Hardware-Defekt abfedern zu können. Was hier aber extrem wichtig ist: Ein RAID ist KEIN BACKUP! Es ist lediglich eine Methode, die Ausfallwahrscheinlichkeit zu reduzieren.

Lokales Backup mit Time Machine

Das RAID1 ist also der erste Ort, an dem meine Fotos existieren (damit wir uns am Zitat aus der Einleitung orientieren).

Der 2. Ort ist gleichzeitig das erste Backup: Time Machine.

Auf dem Mac steht mir die Backup-Lösung Time Machine von Apple zur Verfügung, die stündlich Backups des gesamten Systems auf eine externe Festplatte schreiben kann. Hierzu habe ich eine externe Festplatte mit 1TB an meinem iMac hängen, die ein Backup des Systems (also der internen SSD & HDD) anfertigt und eine weitere 2TB Festplatte, die ein stündliches Backup meines RAID1 durchführt. Über das System-Backup kann ich den aktuellen Stand meines Rechners auf jedem anderen (z.B. einem neuen) Mac wiederherstellen und das Backup des RAID1 lässt mich dieses auf einem neuen RAID-Verbund wiederherstellen, selbst wenn das ursprüngliche RAID komplett ausfallen sollte.

Off-Site Backup mit Dropbox & Amazon Cloud Drive

Und der 3. Ort für meine Dateien ist schließlich das Off-Site Backup. Dahinter steckt folgender Gedanke: Aktuell besitze ich also mindestens 2 Kopien meiner Dateien auf verschiedenen Festplatten. Das Worst-Case-Szenario ist jetzt, dass alle Festplatten gemeinsam ausfallen. Ziemlich unwahrscheinlich, oder?

Aber was ist, wenn eine Naturkatastrophe eintritt, die Wohnung abbrennt, der Rechner (samt Festplatten) gestohlen wird...?

Gegen diese, z.T. höheren Mächte sichert dich das Off-Site Backup ab. Dabei wird eine weitere Kopie der Dateien an einem Platz außerhalb deiner Wohnung aufgehoben. Einige fahren hier die Strategie, in regelmäßigen Abständen externe Festplatten zu synchronisieren und bei z.B. den Eltern einzulagern. Ich habe mich für eine Cloud-Lösung entschieden: Ich nutze Dropbox Pro & Amazon Cloud Drive, um meine Daten extern zu sichern.

Dropbox erfüllt bei mir mehrere Dienste: Neben der Sicherung meiner kompletten Benutzerdaten und der Bereitstellung von Downloads, sowohl für meinen Shop als auch für private Zwecke, lege ich auch ein wöchentliches Backup des Lightroom-Katalogs in meiner Dropbox ab. Dropbox Pro gibt mir dafür für 10€ im Monat 1TB Speicherplatz und eine 30 Tage Versionierung. Das heißt, ich kann einzelne Dateien oder ganze Ordner bis zu 30 Tage in die Vergangenheit zurückverfolgen und bestimmte Zustände einfach wiederherstellen. Ausversehen eine Datei gelöscht? Lässt sich durch einen Klick wiederherstellen. Unsinnige Sachen in den Aufsatz geschrieben? Stell einfach die Version von vorgestern wieder her. Die ständige Synchonisierung der Dropbox sorgt dabei dafür, dass alle Daten auch in der Dropbox Cloud, also auf verteilten Servern in den USA und weltweit gesichert werden. Auf einem neuen Rechner kann ich also einfach den Dropbox-Client installieren und alle meine Benutzerdaten und den Lightroom-Katalog wieder herunterladen (und das ist zusätzlich zu der Möglichkeit, die Daten einfach aus dem Time Machine Backup wiederherzustellen).

Unbegrenzter Speicherplatz für Fotos mit einer Amazon Prime Mitgliedschaft

Der Terabyte der Dropbox Pro ist schon eine Menge Speicher, reicht für meine Foto-Bibliothek aber nicht aus (Stand 24.06.2016 habe ich 118.610 Fotos in meinem Lightroom-Katalog, die zusammen 1,8TB Speicherplatz belegen).

Hier kommt jetzt das Amazon Cloud Drive ins Spiel: Für 49€ im Jahr bekomme ich hier UNBEGRENZTEN SPEICHERPLATZ für Foto-Dateien. Das Cloud Drive ist Teil des Amazon Prime Pakets. Für die 49€ im Jahr bekommt ihr also noch zusätzlich den kostenlosen Prime-Versand bei Amazon, das Amazon Film Streaming Angebot usw. Ihr schließt einfach eine Prime-Mitgliedschaft ab und könnt euch dann das Cloud Drive installieren. Nicht wundern: Euch werden nur 5GB freier Speicher angezeigt. Der Witz ist aber, dass Bilddateien (und dazu gehören auch alle RAW-Formate, DNGs, PSDs usw.) nicht in diesen Speicherplatz rein zählen! Und so habe ich mir angewöhnt, nachdem ich neue Fotos in Lightroom importiert habe, diese auch direkt danach zu Amazon Cloud Drive hochzuladen. Somit habe ich alle meine Fotodateien jetzt einmal auf einem RAID1, in einem Time Machine Backup und schließlich noch im Amazon Cloud Drive gesichert. Und wie bei Dropbox auch, kann ich dann im Extremfall einfach alle meine Fotos gemütlich wieder von Amazon herunterladen, selbst wenn mein RAID komplett ausfällt UND das Time Machine Backup nicht mehr zur Verfügung steht.

Zusammenfassung & meine Empfehlung

So sieht also mein Datei-Management aus, jetzt solltest du dich selber Fragen, wie du das bei dir handhabst. Diese 3-stufige-Lösung ist so etwas wie der Standard für ein gutes Backup. Aber erst einmal ist jedes Backup besser als gar keines. Wenn du deine Fotos bisher einfach nur auf einer externen Festplatte liegen hast, solltest du schnellstmöglich zumindest ein lokales Backup auf einer weiteren Festplatte anlegen. Stell dir vor, die Festplatte bekommt einen Defekt (eine Festplatte ist ein beweglicher, magnetischer Datenträger und unterliegt IMMER Abnutzungen! Nach 2-3 Jahren MUSS mit Ausfällen gerechnet werden, vor allem im 24h-Betrieb) und du verlierst auf einen Schlag alle deine Bilder. Für immer! Für mich ist das ein Szenario, was nicht nur ärgerlich und traurig wäre, dieses Szenario DARF FÜR MICH NICHT EINTRETEN. Mit einem 3-stufigen Backup fühle ich mich dahingehend ausreichend sicher.

Wie schon eingangs erwähnt will ich dir keine Empfehlungen für die richtigen Festplatten oder das passende RAID-Gehäuse geben, da es hier so dermaßen viele Anbieter und Produkte gibt, dass der Markt ziemlich unübersichtlich ist. Generell vertrete ich die Ansicht, dass jede Lösung erst einmal besser ist, als gar keine. Auch eine billige USB-Festplatte vom Elektronik-Discounter erfüllt ihren Zweck wenn es darum geht, Daten zu sichern. Wenn dich dieser Artikel aber eines gelehrt haben sollte, dann das du dich niemals nur auf ein Produkt verlassen solltest. Kaufe lieber immer direkt 2 wenn es um deine Datensicherheit geht.

Die Frage nach der richtigen Off-Site Backup Lösung ist meist schon mit der Frage nach der vorhandenen Internetverbindung beantwortbar: Wenn dein Upload sehr gering ist, wirst du an einer Cloud-Lösung keinen Spaß haben. Wenn das letzte Shooting 2 Tage zum Hochladen benötigt, ist der Sinn des Backups hier auch fragwürdig, da einerseits der Rechner dann dauerhaft laufen muss und andererseits die Dauer des Hochladens wieder ein gewisses Risiko birgt, falls der Prozess unterbrochen werden sollte. Ich sitze hier auf einer 120/6 Leitung, habe also 120 MBit Downstream und 6 MBit Upstream (und ich hätte gerne DEUTLICH mehr Upstream). Unter 1 MBit Upstream macht das Ganze aber tatsächlich wenig Sinn. Ich kann die meisten meiner Shootings in ein paar Stunden hochladen, dass ist vertretbar. Wenn der Prozess aber länger dauert, erhöht das auch die Wahrscheinlichkeit, dass du es vergisst oder verschiebst, weil du den Rechner jetzt gerade nicht so lange laufen lassen willst. Und ein Backup muss vor allem eines sein: Automatisch! Denn wenn du selber daran denken musst, ist es deutlich schwieriger einen Rhythmus einzuhalten. Bei mir hat es sich eingespielt, dass ich neue Bilder direkt nach dem Import auch zu Amazon hoch lade, dass ist Teil meines Workflows geworden und Dank genügend Upstream ist das recht flott erledigt. Time Machine erstellt automatisch stündliche Backups, ohne das ich davon überhaupt etwas mitbekomme und auch die Dropbox synchronisiert sich vollautomatisch. Und Lightroom speichert die wöchentlichen Backups ebenfalls vollautomatisch in einem Ordner in der Dropbox ab.

Du siehst also, ich muss nicht mehr wirklich über die Sicherheit meiner Daten nachdenken, wenn ich mich im Vorfeld einmal hinsetze und den ganzen Workflow plane und einrichte. Sicher ist das z.T. eine Umstellung der eigenen Arbeitsweisen und erfordert auch eine gewisse Disziplin (wenn du deine Backups nicht vollautomatisch erledigen kannst). Aber ich finde das ist ein essentieller Bestandteil der Arbeit eines Fotografen, denn die Bilder sind mein Kapital. Und die Sicherheit dieser Bilder ist mir die Anschaffung mehrerer Festplatten und die knapp 13€ im Monat für Dropbox Pro & Amazon Cloud Drive allemal wert!

Wie handhabst du deine Backups? Oder hast du vielleicht bisher noch gar nicht so sehr über Datensicherheit und Backuplösungen nachgedacht? Schreib es mir in den Kommentaren!

 

Bis bald,

 

Tobi



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Kommentare: 2
  • #1

    Ricardo (Sonntag, 10 Juli 2016 10:31)

    Sehr schöner Blogeintrag.

    Was ich hinzufügen möchte, da ich es selbst benutze, ist Backblaze - ein Backup welches kontinuierlich im Hintergrund alle Daten sichert. ☺️ und auch per App die Daten zur Verfügung stellt.

  • #2

    Ralf Vetterle (Sonntag, 10 Juli 2016)

    Sehr gut das Du das Thema ansprichst, denn meistens werden die Leute erst wach wenn der Fall der Fälle eintritt und heulen dann rum. Für eine vernünftige Backup Lösung muss man Geld in die Hand nehmen und sich stets vor Augen halten was ein Ausfall oder der Verlust aller Daten kosten würde.

    Ich persönlich benutze ein Synology Raid mit 8 Platten (12TB) wo bis zu 2 Platten gleichzeitig ausfallen können und ich immer noch weiter arbeiten kann. Meine wichtigsten Daten werden 2 fach auf externen Platten an verschiedenen Orten gelagert. Ich werde mir aber bald noch eine 2. Synology zulegen die sich an einem anderen Ort mit der 1. synchronisiert. Und da ich schon immer Wert auf Backups gelegt habe, bin ich seit über 20 Jahren vor Datenverlusten verschont geblieben und hoffe das bleibt auch weiter so!

    Einen weiteren Vorteil sehe ich an dem Mehrwert den Synology einem mit seinen Apps und Tools bietet. z.B. Note-Station, eigene Cloud, Aufzeichnung von Überwachungskameras, Haussteuerung, Media Server usw. ich bin jedenfalls rundum glücklich mit dem System und habe bisher nichts vergleichbares auf dem Markt gefunden ;-)