Entwickle deinen Stil und werde zum Experten!

Dieser Blogeintrag ist als Erweiterung und Vertiefung meiner Ausführungen zum Thema "Mach eine Foto-Serie" zu verstehen. Falls du den anderen Blogbeitrag daher noch nicht kennst, ist es sinnvoll, diesen zuerst zu lesen.

Foto-Serie der DITIB Zentralmoschee in Köln als dunkle Schwarzweiß-Darstellung mit rot getönten Fenstern von Tobias Gawrisch (Xplor Creativity)

Ich möchte hier versuchen, noch einmal tiefer in das Thema "finde deinen eigenen Stil" einzusteigen und dann dahin überzuleiten, dass dein eigener, unverwechselbarer Stil dich nach außen hin als Experten kennzeichnet und dir ein Alleinstellungsmerkmal beschert. Denn für mich hat mein Stil, den ich mir über die Jahre erarbeitet und verfeinert habe, genau dazu geführt: Ich gebe jetzt Workshops und mache eine Menge Videos (YouTube & Videotrainings) zu genau dem Thema, zu dem ich mich durch die Etablierung meines Stils als Experte positioniert habe.

Dabei soll der Begriff des "Experten" in keiner Weise hochnäsig oder arrogant klingen. Ein Experte ist erst einmal jeder, der mehr als Andere über ein bestimmtes Thema weiß. Und wenn du dich sehr lange mit einem Thema (= einem Bildstil / Look) beschäftigst, wirst du automatisch zum Experten darin, weil sich niemand sonst so intensiv damit auseinander setzt. Und auf diesem Weg kann es unheimlich hilfreich sein, seinen Look durch Foto-Serien nach außen zu transportieren. 

Viel wichtiger dürfte für dich aber wohl die Frage sein: "Wie entwickle ich denn überhaupt einen eigenen Look, der wiedererkennbar ist?!"

Eines vorweg: Es ist SEHR schwer in der Fotografie heute noch etwas Neues, Revolutionäres zu machen. Alles wurde schon einmal irgendwie irgendwann fotografiert. Und auch mein Stil der dunklen Architekturfotografie ist nichts, was man noch nie gesehen hat. Das sollte auch nicht dein Antrieb sein, denn dann wirst du schnell scheitern bei der Suche nach einem eigenen Stil. Denn etwas, was deinem Stil sehr ähnlich sieht, wirst du immer finden. Daher empfehle ich dir: Entwickle deinen Stil aus Einzelelementen anderer Stile!

Wie schon erwähnt ist auch meine Bildsprache keine Revolution in der Architekturfotografie. Deshalb möchte ich dir jetzt die Geschichte erzählen, wie sich mein Stil entwickelt hat:

Der Grundstil der sehr dunklen, kontraststarken Architekturaufnahmen ist sicherlich nicht neu und ich habe mich an diesem Stil versucht, weil mir Bilder mit diesem Look von anderen Fotografen immer unheimlich imponiert haben. Ich habe deren Stil versucht zu kopieren (ja, ganz offen gesagt: Wenn mir etwas gefällt, versuche ich es nachzumachen). Im Zuge des Lernens der Bildbearbeitungstechniken, der Workflows und auch der Bildsprache und Kompositionen dieser Fotografen haben sich über sie Zeit bei mir eigene Workflows und eigene Techniken herausgebildet (wie die Lichtregelung mit S/W-Verläufen), mit denen ich den für mich gewünschten Look erzeugen konnte. Das war aber erst der Anfang. Irgendwann sah ich das erste Bild in diesem dunklen, kontrastreichen Stil mit dem Einsatz von Selective Color kombiniert (ja, auch das habe ich mir nicht alleine ausgedacht). Eine neue Begeisterung für diese Art der Stilkombination entfachte und ich probierte mich selber an Techniken, um diesen Look zu realisieren. Die Bilder, die ich zu dem Zeitpunkt als "Vorlage" benutzt habe, haben Selective Color allerdings, für meinen Geschmack, zu weitläufig im Bild eingesetzt (s. dazu auch meinen Blogartikel zum richtigen Einsatz von Selective Color). Und dann habe ich noch YouTube-Videos gefunden, in denen verschiedene Möglichkeiten erklärt wurde, wie man Langzeitbelichtungen in Photoshop simulieren kann. Daraus entstand dann meine Technik zum Erzeugen von Wolken in Photoshop. Und so habe ich verschiedene Stile, die mir bei anderen gut gefallen haben, kombiniert und an meine Vorstellungen angepasst. Und das wurde Schlussendlich zu einer Bildsprache, einem Stil, der mittlerweile einen deutlichen Wiedererkennungswert aufweist.


Und genau diese Vorgehensweise ist auch der Grund, warum ich euch mein Wissen und meine einzelnen Techniken in meinen YouTube Videos oder in meinen Videotrainings vermitteln möchte: Damit ihr sie als Grundlage nehmt und darauf aufbauend etwas Eigenes, Neues schafft. Kopiert mich, kopiert meine Techniken um selber herauszufinden, was euch gefällt, was euch liegt und wo ihr etwas anders machen würdet. Das könnt ihr aber erst wissen, nachdem ihr es einmal nachgemacht habt. Deshalb: Kopiert von euren Vorbildern!

Ich habe es genauso gemacht und es hat dazu geführt, dass viele mich gefragt haben, wie ich das mache. Ob ich dafür nicht auch mal einen Workshop geben könnte. Und ob ich nicht anfangen wolle, YouTube Videos zu dem Thema zu machen.  Ich bin NICHT hergegangen und habe gesagt: "Ich gebe jetzt Workshops, weil ich denke, dass ich jetzt am richtigen Punkt dafür angekommen bin!" Ich gebe jetzt Workshops, weil ANDERE denken, dass ich dafür der Richtige bin. Weil andere in meiner Arbeit und in meinen Videos und meiner didaktischen Vermittlung von dem, was ich mir über die Jahre angeeignet und verfeinert habe, einen Mehrwert für sich selbst und ihre Arbeit sehen. Weil meine Arbeit, gerade durch diese Verfeinerung eines Stils und einer homogenen Bildsprache, anerkannt wird.

Es gibt kein Patentrezept und keine 1-2-3-Liste von Dingen, die du tun musst, um deinen eigenen Stil zu entwickeln. Dazu gehört Erfahrung, die du selber sammeln musst. Niemand kann dir diesen Lernprozess abnehmen, du musst ihn selbst durchlaufen. Auch ich kann dir nur sagen, wie du diesen Prozess des Erfahrungen sammeln effektiver machen kannst. Dennoch musst du ihn selber durchlaufen. Um ein passendes Matrix-Zitat anzubringen: "Ich kann dir nur die Tür zeigen. Hindurchgehen musst du alleine."

Was mir aber sehr geholfen hat, war die Beschränkung auf eine eigene Foto-Serie. Durch die Beschränkung, die man sich damit selbst auferlegt, kann man einen eigenen Stil sehr viel schneller forcieren und verfeinern, als wenn du einfach darauf wartest, dass du irgendwann die "Erleuchtung" erfährst. Probier es einmal selbst aus. Eine Serie kann dabei alles mögliche sein und sich auch über lange oder kurze Zeiträume erstrecken. Dabei solltest du aber ein wenig Zeit in die Vorbereitung und Konzeptionierung deiner Serie stecken. Das sind alles Dinge, die du auch in meinem Blogartikel über Foto-Serien nachlesen kannst. 

Ich hoffe dich mit diesem Artikel dafür begeistern konnte, selber mehr an DEINEM Stil zu arbeiten und dir neue Inspiration zu holen für Dinge, die dich faszinieren und die deinen Stil weiterentwickeln können. Dein Stil ist dein Alleinstellungsmerkmal, versuche daher, über kurz oder lang einen konsistenten, eigenen Stil zu entwickeln. Dann werden deine Bilder generell erfolgreicher werden und deine Reichweite steigen. Und kaum etwas anderes ist ein größeres Lob für einen Fotografen als "Hey, dass Bild ist doch von XYZ, dass erkenne ich doch sofort!" 

Die Darstellung als Experte steht dabei gar nicht im Vordergrund, diesen Status schreiben dir Andere (meiner Erfahrung nach) nämlich schon viel früher zu als du dir selbst. Das kommt, sozusagen, von ganz alleine dann. Der interessante Punkt ist aber, dass sobald andere dir einen gewissen Expertenstatus zuschreiben, du auch zunehmend gewillter wirst, diesen anzunehmen und diesen dann auch zu verinnerlichen. Und das führt unweigerlich dazu, dass du das, weshalb andere dich als Experten sehen, stärker in deinen persönlichen Fokus rückst, um diesem Status auch gerecht zu werden. Eine Positiv-Spirale beginnt.

Schreibe mir doch einmal in die Kommentare, wie das bei dir ablief! Wurden deine Bilder schon einmal von Fremden wiedererkannt?

Bis bald,

 

Tobi



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