Mach eine Foto-Serie: DITIB Zentralmoschee in Köln

Ich meine natürlich nicht, dass du jetzt unbedingt eine Serie von dieser Moschee machen musst, ich nutze sie aber als Beispiel, weil sie meine erste richtige Bildserie wurde. Der Hintergrund ist der, dass man sich als angehender Fotograf sicherlich oft die Frage stellt, wie man denn überhaupt Aufmerksamkeit auf seine Bilder zieht. Wie man dafür sorgt, dass Leute die eigenen Bilder wieder erkennen. Denn es ist wahrscheinlich mit das größte Lob für einen Fotografen, wenn der Betrachter direkt erkennt: "Ah, dass Bild ist von XYZ! Erkenne ich sofort!"
Spätestens dann ist übrigens auch kein Wasserzeichen oder Logo mehr zum Branding nötig ;-)

Nun, der einfachste und zugleich beste Weg, sich selbst so einen Stil aufzubauen und ihn dem Betrachter nahezubringen, ist: Entwickle deinen eigenen Stil! Ziemlich unspektakulär, oder? Und natürlich klingt das leichter gesagt als getan, aber genau deshalb möchte ich das Thema am Beispiel meiner ersten, richtigen Foto-Serie erläutern: Eine Bildserie der DITIB Zentralmoschee in Köln von Anfang 2015.

Der Begriff der "Serie" wird meiner Meinung nach von vielen Fotografen viel zu leichtfertig verwendet. Eine Serie muss für mich nicht nur einem gemeinsamen Thema folgen, sie sollte auch einen eindeutigen, wiedererkennbaren und gemeinsamen Look aufweisen. Ich könnte durchaus meine gesamte Fine Art Architekturfotografie als Serie betiteln. Mache ich aber nicht. Weil die Werke dazu zu unterschiedlich sind. Für einen außenstehenden Betrachter mag das vielleicht nicht einmal auffallen, ich selber weiß aber, dass sich die Bilder z.T. massiv in der Herangehensweise und der Bildbearbeitung unterscheiden. Und damit kann ich sie nicht mehr als homogene Serie ausgeben.

Homogenität ist dabei vielleicht das passendste Stichwort. Schau dir die 6 Bilder meiner Serie einmal in Ruhe an: Alle Bilder haben einen eindeutigen Farblook (roter Color-Key, lies dir dazu auch meinen Blogartikel zum Thema Color-Keys durch), alle Bilder haben die gleichen, starken Kontraste, alle Bilder haben den gleichen, schwarzen Himmel mit den gestreckten Wolkenbändern. Aber es geht noch weiter: Alle Bilder weisen starke Reflexionen auf der Fassade oder den Fenstern auf. Und die Bilder decken den Aufnahmebereich dieser Architektur vollständig ab. Will heißen: Neben Detailaufnahmen und Einzelheiten der Fassade gibt es auch Aufnahmen von größeren Teilstücken der Fassade bis hin zur Gesamtaufnahme des Gebäudes. Und das macht diese Serie so homogen. Sie ist nur nicht optisch und technisch homogen, sie deckt auch das gewählte Thema (Das Gebäude der Moschee fotografisch festzuhalten) allumfassend ab.

Die Vorteile einer Foto-Serie

Die Frage ist natürlich: Warum sollte ich jetzt selber so eine Foto-Serie verfolgen, die mich vielleicht auch in meiner Fotografie erst einmal einschränkt? Die Antwort darauf steckt bereits in der Frage: Einschränkung und Konzentration auf eine Serie erlauben dir ein deutlich höheres Maß an Professionalität (im Sinne von guten Bildern). Wie schon beschrieben war diese Serie die erste richtige Serie, die ich selber auch als solche konzipiert hatte. Was sie mir gebracht hat, ist meine noch heute andauernde Bekanntheit als der Fotograf, "der diese dunklen Gebäude mit den Color-Keys macht". Diese Serie hat mir in der Außenwahrnehmung zum ersten Mal einen Fokus gegeben, einen eindeutigen, wiedererkennbaren Stil. Und sie hat mir zum ersten Mal Anfragen von Magazinen & Blogs beschert, für die ich im Anschluss dann Artikel und Tutorials geschrieben habe (schaut mal unter Referenzen nach, wenn euch das näher interessiert). Und sie war auch der Startschuss für die Überlegungen (und überhaupt erst einmal für die An- & Nachfragen) für mein Videotraining zu diesem Stil der Fine Art Bildbearbeitung.

Das wichtigste ist aber tatsächlich die Wiedererkennbarkeit. Noch heute bekomme ich Nachrichten und Kommentare zu den Bildern dieser Serie, wie etwa: "Das war das erste Bild was ich von dir gesehen habe, super!"
Wahrscheinlich war es tatsächlich nicht das erste Bild, weil ich auch vorher schon Bilder in einem ähnlichen Stil produziert habe. Aber der Eindruck, der bei den Menschen hängen bleibt, ist durch diese Serie, durch ihre Homogenität geprägt und das macht sie und damit meinen Stil so unverwechselbar.

Einen Nachteil gibt es aber auch: Es ist schwieriger, seine Themenfelder zu erweitern oder umzuwerfen, wenn einmal dein Name mit einem bestimmten Stil oder Genre assoziiert wird. Für mich ist es noch immer so, dass meine Food Fotografie weniger bekannt ist als meine Architekturfotografie, obwohl die beiden Themengebiete für mich gleichwertig sind. Sicher, die Food Fotografie ist nicht so "öffentlichkeitswirksam", auch weil ich vom Volumen her weniger Food als Architektur fotografiere. Aber diesen Aspekt solltest du dennoch im Kopf behalten.

So erschaffst du eine gute Foto-Serie

Was gehört denn jetzt alles zu einer Foto-Serie dazu und wie kommst du selber dazu, deine eigene Serie zu konzipieren und durchzuziehen?
Dazu habe ich jetzt ein paar Punkte aufgeführt, die ich für meine Serie verfolgt habe und die ich auch bei anderen Foto-Serien erkennen kann:

  1. Suche dir ein *enges* Thema, eines, was sich abhebt und wiedererkennbar ist. "Portraits" sind nicht eng genug, "Portraits von Mädels zum Sonnenuntergang im Gegenlicht mit verwehten Haaren im Gesicht und roten Lippen" ist schon besser! Vergiss nicht: Dein Grundthema selbst muss nicht eng sein ("Architektur" als mein Thema ist es auch nicht), du kannst die Spezialisierung auch durch einen Bildlook oder eine immer wiederkehrende Location usw. erreichen. Am Ende sollte es immer die Stimmung sein, die sich eindeutig durch deine Serie zieht.
    Z
    um Thema Ideenfindung habe ich übrigens schon einmal einen QUICKTIP veröffentlicht, den du hier findest.
  2. Überlege dir, wie sich deine Serie entwickeln soll. Bei mir war es die Darstellung kleinerer Fassadendetails bis hin zur Gesamtdarstellung des Gebäudes. Im Portraitbereich könnte es entweder ein identisches Setting mit verschiedenen Personen oder nur ein Model mit unterschiedliche, aber dennoch thematisch verbundene Settings sein.
  3. Überlege dir eine passende Bildanzahl, die es dem Betrachter erlaubt, die Serie als Ganzes wahrzunehmen. Das heißt auch: Mache nicht zu viele Bilder. Eine "klassische" Fotoserie besteht aus 6-8 Bildern, wobei das im digitalen Zeitalter doch recht wenig sein kann. Eine Serie aus 50 Bildern macht meiner Meinung nach aber auch keinen Sinn, weil dann die Verbindung, die Geschichte zwischen den einzelnen Bildern nicht stark genug ist.
  4. Kommuniziere deine Serie! Damit meine ich, weise mit jedem Bild darauf hin, dass es Teil der Serie ist. Gib der Serie vielleicht sogar einen eigenen Namen. Deine Serie muss eine Art Aushängeschild für dich und deine Fotografie werden und dich und dein Schaffen repräsentieren.

Mit diesen Tipps bist du bestens gerüstet deine eigene Serie auf die Beine zu stellen und damit deine Bekanntheit zu steigern. Und auch wenn es in dem Moment vielleicht gar nicht so viele Leute erreicht, wie du dir vielleicht erhoffst oder erwartet hast (so war es auch bei mir) wird es auf lange Sicht gesehen auf jeden Fall ein Ankerpunkt für deine Bekanntheit sein.

Fine Art Architekturfotografie Workshop in Köln am 31.07.2016

Wenn du jetzt Lust auf Köln und seine Architektur bekommen hast, dann habe ich da etwas für dich: Am 31.07.2016 halte ich wieder einen Workshop zum Thema Fine Art Architekturfotografie in Köln. Die Moschee wird dabei ebenfalls eines der Ziele sein (sofern sie dann keine Baustelle mehr ist, da habe ich aber natürlich leider keinen Einfluss drauf). Der Workshop geht von 11-17h. Die ersten Plätze sind allerdings schon vergeben, wenn du daher Lust hast auf einem meiner Workshops mit am Start zu sein, warte nicht zu lange! Hier kommst du zur Buchung.

Und falls dir der Termin nicht passen sollte, du aber trotzdem einmal einen Workshop bei mir besuchen möchtest: Ich bin dieses Jahr noch am 26.06.2016 in Frankfurt und am 04.09.2016 in Berlin!

Ich hoffe ich konnte dich dazu animieren, dir einmal selbst ein Serienthema auszudenken und deine eigene Foto-Serie durchzuziehen. Und ich verspreche dir, dass wird dich in deiner Fotografie und auch in deiner Außenwahrnehmung einen großen Schritt nach vorne bringen. Schreib mir in die Kommentare, ob du vielleicht schon einmal eine eigene Serie durchgezogen hast oder auf was für Ideen dich mein Artikel gebracht hat!

 

Bis bald,

Tobi



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Kommentare: 1
  • #1

    Tim Breier (Montag, 13 Juni 2016 00:34)

    Netter Artikel, hat spass gemacht ihn zu lesen.
    Viel Erfolg und gutes Wetter bei den Workshops :)
    Weiter so!