5 Gründe warum Video für dich als Fotograf wichtig ist

Ich muss es ja selber zugeben: Das Thema Video war für mich lange Zeit völlig unbedeutend. "Meine Kamera soll fotografieren, ob die noch Video kann ist mir egal." Sowas habe ich einige Jahre lang von mir gegeben und dabei die Möglichkeiten von Video schlicht nicht gesehen. Und das sage ich nicht nur aus der Rolle des "Trainers", der euch Videos zu Fotografie-Themen anbietet, sondern auch aus der Sicht des Fotografen, der vielleicht keine Tutorial-Videos o.ä. machen möchte.

Denn Video bedient auf einen Schlag eine ganze Reihe von Themen, die in der Fotografie ab einem gewissen Punkt wohl unter dem Begriff "Betriebsblindheit" zusammengefasst werden könnten. Was meine ich genau damit?

  1. Videos fordern deine kompositorischen Fähigkeiten neu heraus
  2. Videos erfordern das Lernen ganz neuer Techniken für Aufnahme & Nachbearbeitung
  3. Videos verbessern deine Aufmerksamkeit
  4. Videos geben dir eine Ausrede um neue Ausrüstung zu kaufen
  5. Videos können deine Fotos besser in Szene setzen
Video-Ausrüstung zum Filmen mit der DSLR und Tethering zu einem Tablet Computer

Und das tolle an diesen Punkten ist: Sie lassen sich wieder zurück auf deine Fotografie übertragen und auch deine Fotos können davon profitieren! Also lass uns diese 5 Punkte einmal genau besprechen.

 

 

Aber vorher will ich dir noch mein letztes Videoprojekt zeigen:

TRANSIT - Ein Timelapse-Kurzfilm über Essen im Ruhrgebiet. Mit diesem Film habe ich mich selber auch mehr an Videoschnitt und Storytelling herangetastet und ich lerne jeden Tag noch etwas Neues in diesem Bereich!



1. Videos fordern deine kompositorischen Fähigkeiten heraus

Die Regeln der Komposition sind bei Video nicht anders als in der Fotografie. Es ist aber viel schwieriger sie einzuhalten bzw. es erfordert sehr viel mehr Aufmerksamkeit, eine Komposition in einem Bewegtbild stabil zu halten. Vor allem dann, wenn man sich selber mit der Kamera auch noch bewegt und nicht nur starre Shots filmt. Ihr müsst sehr viel aufmerksamer den Bildausschnitt beobachten und vor allem vorhersagen, welche Elemente jetzt gleich in eurem Bildausschnitt auftauchen werden und wie diese sich auf eure Komposition auswirken.

Das wird noch wichtiger, wenn ihr euch klar macht, dass ihr nicht wirklich "Fleisch" zum croppen habt! Wenn ihr in 1080p filmt, dann gibt es da keinen Rand, den ihr noch wegschneiden könntet, wenn aus versehen etwas Ungewolltes ins Bild ragt. OK, ihr könntet auf 720p runtergehen aber in Zeiten von 4K ist das ja schon fast nicht mehr zeitgemäß. In 4K gefilmt und dann später in 1080p ausgegeben sieht die Sache schon wieder anders aus. Dafür sind 4K-fähige Kameras leider aber noch nicht ausreichend weit verbreitet um das als Best-Practise zu propagieren.


2. Videos erfordern das Lernen ganz neuer Techniken für Aufnahme & Nachbearbeitung

Ja, viele Dinge überschneiden sich in der Fotografie und dem Videodreh (gerade in der Nachbearbeitung). Viele Dinge unterscheiden sich aber auch komplett! Und wieder andere Dinge sind in der Fotografie nicht notwenig, für Videos aber essenziell! Nehmen wir mal das Beispiel Ton! Wer von euch, wenn ihr bisher nur fotografiert habt, hat sich schon einmal mit dem Thema Tonaufnahme beschäftigt? Genau, wahrscheinlich niemand. Zu lernen, was guten Ton ausmacht, wie man diesen aufnimmt, worauf dabei zu achten ist, welchen Einfluss die Produkte zur Tonaufnahme dabei haben und wie der Ton am Ende bearbeitet und mit dem Video in Einklang gebracht wird. Fragen über Fragen, die allesamt neue Bereiche erschließen lassen.

Und dann kommt auf einmal auch noch das Thema Musik für Videos auf: Hintergrundmusik, Übergangsmusik usw. Und wie schneide ich ein Video jetzt eigentlich so, dass es auch zur Musik passt? Muss ich dann schon während der Aufnahme vielleicht den Beat und die Geschwindigkeit meiner Musik im Hinterkopf haben? Ihr seht schon, so ein neues Thema zieht einen ganzen Rattenschwanz an zusätzlichen, neuen Themen hinter sich her. Und genau das solltet ihr als Chance sehen! Lernt etwas Neues, werdet Gut in etwas Neuem und entdeckt so vielleicht sogar eine neue Leidenschaft, die euch weiter antreibt und motiviert.


3. Videos verbessern deine Aufmerksamkeit

Dieser Punkt unterstützt das, was ich bereits mit Punkt 1 deutlich gemacht habe: Eine Sequenz zu filmen ist in der Regel anspruchsvoller als ein Foto zu schießen, weil die Komponente der Zeit wichtiger wird. Ein Beispiel: Ich mache ein schönes Landschaftsfoto mit der Sonne und einigen Wolken, die Sonne bricht durch die Wolken - auslösen - fertig! Wenn ich hier jetzt eine Sequenz filme, die vielleicht begonnen hat, als die Wolken noch die Sonne verdeckt hat, beginnen jetzt einige Probleme: Wie verändert sich meine Belichtung durch die Sonne? Ist es noch im Rahmen oder muss ich eingreifen und korrigieren? Sind meine Schauspieler jetzt im Gegenlicht oder bekommen harte Schlagschatten ins Gesicht? Wie wirkt sich die Sonne auf meinen Weißabgleich aus? Und wie schnell ist die Sonne wieder weg?

Filmen fordert deine Aufmerksamkeit, weil du viel mehr Antizipieren musst. Du musst dir vor dem Dreh schon überlegen, was alles passieren könnte, wann es passieren könnte und was die Auswirkungen sind. Und dann musst du dir überlegen, wie du mit diesen Auswirkungen umgehen kannst! Ist es für die Sequenz OK wenn ab und zu die Sonne durch die Wolken bricht? Oder brauche ich einen Shot vollkommen ohne Sonne? Vielleicht muss ich dann an einem ganz anderen Tag filmen oder hinterher eine Menge Einzelsequenzen zusammenschneiden.


4. Videos geben dir eine Ausrede um neue Ausrüstung zu kaufen

Das ist natürlich eigentlich ein schlechter Punkt, weil ich selber ja auch fest daran glaube, dass Ausrüstung nur das Werkzeug darstellt und nicht so einen hohen Stellenwert einnehmen sollte. Aber natürlich kenne ich auch die Vorfreude, die man spürt, wenn der Postbote endlich klingelt ;-)

Und, wie in Punkt 2 bereits beschrieben, ganz ohne neue Ausrüstung geht es dann doch nicht. Deshalb findest du hier jetzt 2 Listen mit Ausrüstungsgegenständen, die ich einmal für unverzichtbar und einmal für nützlich, aber nicht notwendig halte (mal abgesehen von den absoluten Basics wie Kamera & Objektive, die führe ich nicht extra auf). Und es gibt natürlich noch eine ganze Reihe weiterer Kleinigkeiten, die einem das Leben leichter machen, die Listen sollen aber noch überschaubar bleiben. Dabei handelt es sich jeweils um Amazon Affiliate Links. Wenn du darüber ein Produkt kaufen solltest, unterstützt du mich damit beim Betrieb dieses Blogs. 

Must-Haves

  • On-Camera Mikrofon! Ich benutze aktuell das Rode Video Mic Go und hatte vorher das ebenfalls sehr gute Rode VideoMicro. Die beiden habe ich auch in einem Video einmal direkt gegeneinander verglichen!
  • Lavalier-Mikrofon, um auch Abseits der Kamera guten Sound aufzuzeichnen. Ich benutze das Rode smartLAV+ mit TRRS-auf-TRS-Adapter um es direkt an der Kamera benutzen zu können.
  • Ein stabiles Stativ. Hier ohne konkrete Produktempfehlung, für den Anfang tut es irgend eines.
  • Videoschnitt-Software. Am Mac ist iMovie bereits vorinstalliert, was ich auch immer noch gerne einsetze. Ansonsten ist der kostengünstigste, sinnvolle Einstieg wohl Adobe Premiere Elements.
  • Intervallometer um Timelapse-Aufnahmen machen zu können. Das ist natürlich nur notwendig, wenn deine Kamera nicht intern bereits Timelapse-Aufnahmen machen kann. Aber ein gutes Timelapse ist wohl eine der coolsten Sachen überhaupt im Video-Bereich! Es gibt auch diverse Apps dafür, wovon ich Triggertrap sehr empfehlen kann. Den Triggertrap habe ich auch schon in einem eigenen Video getestet. Zu der App benötigst du dann noch das passende Kabel.

Nice-to-Haves

  • Ein Schwebestativ, um sanfte Kamerafahrten aus der Hand zu machen. Hier reichen die Optionen von knapp 100€ bis zu einer beliebig hohen Summe. Die Steigerung vom Schwebestativ ist der Gimbal, der elektronisch die Bewegungen der Kamera ausgleicht. Der beliebteste Vertreter dieser Gattung ist aktuell wohl der Ronin von DJI.
  • Ein externer Rekorder, um einerseits ein besseres Videosignal aus dem Sensor auszulesen und andererseits die für Canon & Nikon typische 30-Minuten-Grenze überschreiten zu können. Großer Beliebtheit erfreuen sich hier die Modelle von Atomos, die es mit und ohne externen Monitor gibt.
  • Bessere, spezialisierte Software. Neben Adobe Premiere Pro und After Effects, welche es beide im CC-Komplettabo gibt, ist DaVinci Resolve von Blackmagic als kostenlose Software definitiv hervorzuheben.

Und zum Schluss noch ein paar Videos, die euch die Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Ausrüstungsgegenstand vielleicht etwas erleichtern, weil ich diesen Entscheidungsprozess auch schon durchgemacht habe. Aber man kann im Videobereich auch wieder eine ganze Menge selber machen! So habe ich mir z.B. aus einer ausrangierten Aquarium-LED-Beleuchtung eine fette Videoleuchte gebaut, die ich ab jetzt in meinen Videos auch immer einsetze! Dazu gibt es auf YouTube auch 1001 Video für die verschiedensten Dinge, aber gerade Beleuchtung ist immer wieder ein großes Thema für den DIY-Bereich.

Das richtige Mikrofon

Das passende Stativ

DIY-Beleuchtung Teil 1

DIY-Beleuchtung Teil 2



5. Videos können deine Fotos besser in Szene setzen

Wie ich selber auch erst rausgefunden habe, kann so ein Showreel-Video eine klasse Möglichkeit sein, die eigenen Arbeiten besser in Szene zu setzen. Der Vorteil liegt darin, dass du dich auf sehr wenige Arbeiten beschränken musst, damit das Video nicht langweilig wird. Wenn wir unser Portfolio als Album oder in einer Online-Gallerie zeigen, ist es oft noch zu umfangreich um es jemandem "mal eben schnell" zu präsentieren. Außerdem ist der erste Eindruck mit einem Video einerseits professioneller und andererseits "eindrücklicher", was euch und euren Arbeiten nur gut tun kann! :-)
Ich werde jetzt vermutlich jedes Jahr ein neues Showreel machen, auch um so meine eigene Entwicklung festzuhalten und nachvollziehbar zu machen, jeweils in max. 2 Min. Video.



Und wer bringt mir das alles jetzt vernünftig bei?

Du hast natürlich recht: Neben dem ganzen Gear, der Software und dem Wunsch, etwas Neues zu lernen, ist der passende Lehrer durchaus hilfreich! Und da habe ich noch 2 Tipps für euch:

  1. Das Videotraining "Filmen für Fotografen" von Fördy
  2. Das Videotraining "The FroKnowsPhoto Guide to DSLR Video" von Jared Polin (englisch)

Ich habe beide Trainings und sie haben mich beide weitergebracht, mir alle nötigen Basics erklärt und den Weg bereitet um mich tiefer mit der Materie zu beschäftigen.

Davon abgesehen gibt es aber auch eine Unmenge von YouTube-Videos, die euch bei diesem Thema weiterbringen. Ich selber bin aber, wie gesagt, großer Fan der beiden oben genannten Videotrainings weil ich an mir selber feststellen konnte, was sie mir alles beibringen konnten. Und ich selber werde auf meinem YouTube-Kanal in Zukunft auch immer mal wieder das Thema Video aufgreifen und eigene Tutorials zu dem Thema machen.

Ich hoffe euch mit diesem Artikel ein wenig heiß gemacht zu haben auf das Thema Video und vor allem Filmen mit der eigenen DSLR/DSLM. Oder vielleicht seid ihr selber schon lange dabei? Dann zeigt mir mal eure Videos, vielleicht kann ich von denen dann selber auch noch etwas lernen! Schreibt sie einfach unten in die Kommentare!

Bis bald,

Tobi



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