"Wenn du dein Hobby zum Beruf machst, dann musst du dir ein neues Hobby suchen!"

Diesen Satz habe ich einmal von einem Reportage-Fotografen gehört, mit dem ich eine Zeit lang als freier Mitarbeiter zusammengearbeitet habe. Ich war zu der Zeit freier Mitarbeiter in der Lokalredaktion einer Tageszeitung und habe lokale Fotoaufträge erledigt. Das war zwischen 2008-2010. Und dieser Satz, gepaart mit der Berufserfahrung, die dieser Fotograf bereits hatte, hat mich lange Zeit davon abgehalten das Ziel zu verfolgen und als Vollzeit-Fotograf mein Geld verdienen zu wollen.

Im Januar 2015 habe ich dann doch mein Gewerbe angemeldet und bin jetzt als Fotograf tätig. Musste ich mir deshalb ein neues Hobby suchen? NEIN! 

In diesem Blogartikel möchte ich dir erklären, wie ich das "Fotografen-Handwerk" heute sehe und wie ich als Fotograf mein Geld verdiene (denn hier haben die meisten Leute eine falsche Vorstellung) und warum ich eben nicht ein neues Hobby brauchte, sondern die Fotografie als mein Hobby und die Fotografie als Job parallel bedienen kann.

Fotografie ist zuerst einmal ein sehr weitläufiges Feld und die Optionen, auf die eine oder andere Weise damit Geld zu verdienen, sind vielfältig. Und genau hier liegt die fehlerhafte Vorstellung der meisten Leute begraben: Der Anteil am Fotografieren (also das aktive Produzieren von neuen Bildern) liegt bei mir im Tages-/Wochendurchschnitt wahrscheinlich so bei 10-20%. Mehr nicht. Dazu gehören Auftragsarbeiten genauso wie freie Arbeiten zur Weitergabe an Bildagenturen.

Nun habe ich mir aber auch ein Feld ausgesucht, in dem das ständige Produzieren neuer Bilder auch gar nicht meine Hauptaufgabe sein muss und soll. Ich habe mich dafür entschieden, mein Wissen auch weiterzugeben, also als "Trainer" tätig zu sein. Und dafür schreibe ich Blogartikel (wie diesen hier), nehme YouTube-Videos auf, entwickle und produziere Videotrainings, plane und veranstalte Workshops, schreibe an Büchern und Artikeln für Magazine und beantworte Fragen von Teilnehmern.  Das ist sicherlich der größte Aspekt meiner Arbeit. 

Daneben gilt es noch sich Marketing-Strategien zu überlegen, Facebook-Postings zu planen und ständig die eigene Darstellung nach außen zu überprüfen, damit ich auch mit dem wahrgenommen werde, womit ich wahrgenommen werden möchte. 

Ein dritter "Zeitfresser" ist die eigene Weiterbildung! Hierzu einmal eines meiner Lieblingszitate: "Never stop running! You never know What's catching up!"
Der Spruch stammt von der fiktiven Figur Feucht von Lipwig aus einer Fantasy-Roman-Reihe von Terry Pratchett (große Leseempfehlung: Going Postal, Making Money & Raising Steam von Terry Pratchett) und ist gleichzeitig meine Antwort an alle die, die meinen, wenn man Workshops gibt und sein Wissen weitergibt, würde man seinen eigenen Ast absägen. Das ist völliger Quatsch! Solange ich derjenige bin, der sich stetig weiterbildet, stetig Neues lernt und immer etwas hat, was sich lohnt weitergegeben zu werden verbessere ich meine Positionierung als "Experte" und sichere mir meinen Platz. Derjenige, der keine Lust hat sich weiterzubilden (wie ich es leider bei vielen "ausgebildeten" Fotografen erlebe, ohne jedoch hier verallgemeinern zu wollen) wird jedoch unweigerlich irgendwann überholt und abgehängt werden. Wir sind nun einmal selbstständig und das bedeutet auch, sich selbst und sich ständig weiterzuentwickeln. Und für diese Weiterbildung höre ich eine Unmenge Podcasts (ich habe bei jedem Spaziergang, auf jeder Bus- oder Bahnfahrt und in jeder ruhigen Minute Kopfhörer auf), schaue mir Tutorials auf YouTube an, kaufe selber Videotrainings von anderen Fotografen und schaue aber auch über den Tellerrand und beschäftige mich mit (Online)Marketing, Geschäftsstrategien, Buchhaltung & Finanzierung (zwangsläufig), Selbstvermarktung und Persönlichkeitsentwicklung

Motivationsspruch mit #CRTVTY Aufkleber von Tobias Gawrisch Xplor Creativity

Und dann kommen noch neue Formate wie Video und alles was damit zusammenhängt (Schnitt, Filmen, Drehvorbereitungen, neue Ausrüstung, neue Techniken usw.) was ich als Format nutzen kann, um meine Fotografie und mich als Fotograf bekannter zu machen. Und zuletzt Dinge wie Keywording für Stock-Agenturen, Verhandeln, Preisgestaltung, Webdesign, Grafikdesign, Rhetorik & das selbstbewusste Auftreten vor Menschen.

Und jetzt mal meine Frage an euch: Glaubt ihr, ich würde mir diese ganze Arbeit und dieses vermeintliche Risiko aufhalsen, wenn nicht jeder einzelne Aspekt davon auch mindestens mein Hobby, meine Leidenschaft wäre?

Wenn du überlegst, dein Hobby der Fotografie zum Beruf zu machen und aber auf die von mir gerade geschilderten Dinge nicht so viel Lust hast - lass es! Dann ist Fotograf nicht der richtige Beruf für dich! Denn dann machst du es ohne Leidenschaft und dann brauchst du tatsächlich ein neues Hobby, weil dir dann die Aspekte des Berufs des Fotografen dein Hobby vermiesen, um die du dich als Amateur noch nicht kümmern musstest.

Die Essenz dieses Artikels ist am Ende wohl diese: Als selbstständiger Fotograf musst du auch Unternehmer sein, mit allen Themen, die einen als Unternehmer interessieren müssen! Nur dann ist es wirklich der Job, den du liebst. Willst du das nicht, bleibe lieber Hobbyfotograf, ohne diesen Begriff in irgend einer Weise abwertend zu verwenden.

Denn der einzige Weg, das Zitat aus dem Titel dieses Blogartikels zu entkräften ist, jeden einzelnen Aspekt deiner Tätigkeit zu lieben und ihm mit Leidenschaft nachzugehen. Denn dann ist es am Ende keine Arbeit, es ist nur deine Leidenschaft. Und deshalb macht es für mich auch keinen Unterschied, ob ich einen Auftrag fotografiere, freie Projekte umsetze, Erinnerungsfotos im Urlaub knipse oder mit der Sofortbildkamera meine Katzen beim schlafen fotografiere - es ist immer genau das, was ich liebe und mit Leidenschaft mache.

Wie siehst du das Thema? Bist du selber Selbstständig und hast eine andere Meinung dazu? Oder willst du einfach mal die Liste meiner Podcasts wissen? Diskutiere mit mir in den Kommentaren!

Bis bald,

 

Tobi



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Kommentare: 1
  • #1

    Darko Sabljo (Sonntag, 08 Mai 2016 09:54)

    Hallo Tobi,

    Vielen Dank für deinen interessanten Artikel. Ich bin auch jemand der viel konsumiert und Podcasts hört oder auch YouTube Videos schaut um sich weiterzubilden.
    Mich würde deine Podcast die du hörst wirklich sehr interessieren.

    Vielen Dank.

    Gruß
    Darko