Wie werde ich als Fotograf in einem Magazin veröffentlicht?

Detailaufnahme des Inhaltsverzeichnisses der Pictures Magazin Ausgabe 04/2016

Diese Frage stellen sich sicherlich eine Menge Fotografen und auch ich habe mir diese Frage lange gestellt! Jetzt wurde ich in der Vergangenheit schon mit meinen Bildern in diversen Magazinen veröffentlicht, es gab jetzt aber das erste Mal, dass ein Artikel von jemand anderem über mich und meine Fotografie geschrieben wurde! Sonst handelte es sich immer nur um Bildveröffentlichungen mit Namensnennung oder aber um von mir selbst verfasste Texte und Artikel.

Bevor ich aber über diese Erfahrung berichte, noch kurz ein paar generelle Worte zum Thema Magazinveröffentlichungen:
Ich habe bisher für keine einzige meiner Veröffentlichungen Geld bekommen. Ich halte das für mittlerweile auch äußerst selten bzw. unüblich. Eine Magazinveröffentlichung ist für einen Fotografen in erster Linie Werbung für sich und seine Arbeiten, für die man natürlich nicht noch extra Geld bekommt. Man hilft dem Magazin mit seinem Content und dafür bietet das Magazin die Reichweite als Gegenleistung an.

Jetzt ist der Begriff "Magazin" natürlich sehr diffus. Viele haben hierbei das "klassische" Print-Magazin am Kiosk im Kopf, aber diverse, reine Online-Medien nennen sich natürlich auch Magazin. So wurden meine Bilder schon in diversen Online-Magazinen veröffentlicht, die entweder ausschließlich online zu betrachten sind oder einen Print-on-Demand Service bieten, bei dem dann eine Ausgabe des Magazins auf Nachfrage einzeln bestellt werden kann. Natürlich kostenpflichtig, auch für denjenigen, der dort veröffentlicht wird. Das führt zu 2 interessanten Überlegungen: Einerseits ist die mögliche Zielgruppe durch den reinen Online-Auftritt deutlich eingeschränkter als bei einem Print-Magazin und andererseits ist die Wertschätzung aus Sicht des Fotografen geringer, wenn ich mir mein eigenes Belegexemplar auch noch selber kaufen muss.

Ich möchte diese Magazine nicht verurteilen, man sollte sich aber über den Nutzen sehr genau im Klaren sein. Denn der ist, da bin ich ehrlich, äußerst gering. Es kann aber trotzdem eine Chance sein, darüber eine Erhöhung der eigenen Bekanntheit zu erlangen und ich freue mich auch noch immer, wenn eines dieser Magazine auf mich zukommt und fragt, ob sie nicht ein Bild von mir veröffentlichen dürfen. Seht das einfach als Wertschätzung eurer Arbeit an, erwartet euch aber nicht zu viel davon, denn auch die qualitative Auswahl der sonst dort veröffentlichten Werke kann extrem schwanken.

Jetzt zurück zum Thema:

Das Pictures Magazin hat in der aktuellen Ausgabe 04/2016, die ab Freitag 18.03.2016 im Zeitschriftenhandel verfügbar ist, mir und meinen Food Fotografien ganze 6 Seiten im Bereich "Editor's Choice" gewidmet! Zusammen mit Hinweisen auf meine Workshops, meine Website und diesen Blog! Die frei einsehbaren Mediadaten 2016 für das Pictures Magazin geben eine Auflage von 32.000 Exemplaren pro Ausgabe an.

Wie ist es jetzt dazu gekommen?

Ich habe schon ein paar Mal beim Leserwettbewerb des Pictures Magazin teilgenommen und diesen auch 1x gewonnen (in Ausgabe 12/2015). Daneben poste ich regelmäßig meine Bilder an die Facebook-Seite des Pictures Magazin, sodass diese auch schon das eine oder andere Mal dort geteilt wurden. Mein Name war der Redaktion also nicht gänzlich unbekannt und anhand der Bilder, die ich an die Facebook-Seite gepostet hatte, war mein Stil auch klar erkennbar.

Dann bekam ich aus heiterem Himmel eine E-Mail mit der Frage, ob ich nicht an einem solchen Artikel über mich mit dem Thema Food Fotografie interessiert sei! Das Thema Food Fotografie sei bisher vom Magazin noch nicht so ausführlich behandelt worden, weshalb man mich mit meinen Bildern dort als Experten einbringen wollen würde.
Ihr seht also, der Vorgang selbst war denkbar unspektakulär. Und natürlich habe ich eingewilligt!

Detailansicht des Editor's Choice Bereich der Pictures Magazin Ausgabe 04/2016
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Seiten 98 und 99 der Pictures Magazin Ausgabe 04/2016
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Was ich alles erledigen musste

Zunächst wurde dann nach diversem Material gefragt:

  • Generelle Daten (Was fotografiere ich, wie bin ich zur Fotografie gekommen, womit arbeite ich, Website, Blog usw.)
  • Ein Selbstportrait
  • Eine Auswahl verschiedenster Food Fotografien von mir (ca. 20), möglichst bunt gemischt
  • Eine kleiner Auswahl (ca. 3) meiner "sonstigen" Bilder, also meiner anderen Themengebiete (in diesem Fall Architektur)
  • Informationen darüber, wie ich meine Food Fotografien erstelle (worauf achte ich, Licht, Ausrüstung, Vorbereitung usw.)

Bei der genauen Ausgestaltung dieser Anforderungen wurde mir dann freie Hand gelassen. Also habe ich zuerst das Bildmaterial zusammengesucht (bei den Architekturbildern bot es sich natürlich an, mein früheres Siegerbild aus dem Leserwettbewerb erneut zu verwenden, so wird eine gewisse Wiedererkennung erzielt) und anschließend einen stichwortartigen Text zu den Fragestellungen verfasst. Es war kein ausformulierter, druckreifer Text, mehr eine Art gedankliche Zusammenfassung meiner Arbeitsweise in Schriftform.

Nachdem ich das alles per E-Mail eingeschickt hatte, kam ca. 1 Woche später eine Vorabversion des Artikels als PDF per E-Mail zu mir zurück. Jetzt konnte ich Korrekturlesen und überlegen, ob mir auch alle Bilder & Texte so gefielen. Zu den von der Redaktion ausgesuchten Bildern sollte ich dann noch die jeweiligen EXIF-Daten und kurze Bildbeschreibungen liefern. Der Vorab-Artikel enthielt dazu noch Beispiel-Platzhalter, an deren Länge ich mich für den Umfang dieser Bildunterschriften orientieren konnte. Das Layout entsprach dabei schon dem Layout, welches ihr auch jetzt in der Ausgabe sehen könnt.

In der Zwischenzeit hatte ich mich von meinen Dreadlocks getrennt, sodass ich gerne das Selbstportrait gegen ein aktuelleres ausgetauscht haben wollte. Auch habe ich noch die Idee der Behind-the-Scenes Fotos mit eingebracht, die auch aufgenommen wurde. Somit habe ich dann noch ein neues Selbstportrait, ein Behind-the-Scenes Foto und die noch fehlenden Bildunterschriften geliefert.

Die von mir angeregten Korrekturen wurden dann eingearbeitet und damit war der Artikel fertig! Heute flatterte mir dann mein kostenloses Belegexemplar ins Haus und ich kann den fertigen Bericht über mich jetzt selbst in Händen halten.

Detailansicht der S. 100 der Pictures Magazin Ausgabe 04/2016
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Es ist schon etwas Anderes, einen "fremden" Artikel über sich zu sehen und zu lesen, auch wenn man maßgeblich an der Entstehung beteiligt war. Der ganze Prozess bis hin zur Entstehung des Artikels ist auch sehr viel professioneller, als es der Prozess bei den Online-Magazinen ist, die bisher Bilder und Texte von mir veröffentlicht haben. Eine sehr angenehme und einander wertschätzende Erfahrung!

Es macht zudem einfach sehr viel stolzer, in einen Zeitschriftenladen gehen zu können und dort in einem frei erhältlichen Magazin sein eigenes Gesicht von den Seiten herauf blickend zu sehen!

 

Und es wird auch nicht der letzte Artikel über mich im Pictures Magazin bleiben, so viel kann ich schon sagen. Das Thema Food Fotografie wird in einer der kommenden Ausgaben noch einmal aufgegriffen werden und ich darf dem Pictures Magazin noch einmal als Experte zur Seite stehen.

Die Redaktion des Pictures Magazin fordert übrigens explizit dazu auf, sich auch einfach für den Bereich des "Editor's Choice" zu bewerben! Ihr könnt also auch unaufgefordert eine Idee und ein paar Bilder an die Redaktion schicken, wenn auch ihr einen solchen Artikel über euch und eure Arbeiten bekommen möchtet. Dabei solltet ihr euch natürlich etwas am Aufbau, der Zielgruppe und den Themengebieten des Magazins orientieren und auf jeden Fall qualitativ hochwertige Arbeit leisten. Aber ihr müsst nicht darauf warten, bis ihr zufällig einmal entdeckt werdet. Werdet selber aktiv, auch auf Facebook! 

Der Vorgang, wie ihr es schafft, eure Werke von einem Magazin (online oder offline) veröffentlichen zu lassen, ist für jedes Magazin unterschiedlich: Einige Online-Magazine schreiben mir einfach eine Facebook-Nachricht, weil sie ein Foto auf meiner Seite gesehen haben, was ihnen gefällt. Oder ich habe ein Foto an deren Facebook-Seite geteilt, was sie jetzt in das Magazin aufnehmen wollen. Wieder andere Magazine haben eigene "Submission Forms", wo ihr "offiziell" einzelne Bilder oder Serien zur Veröffentlichung einreichen könnt. Und bei wieder anderen Magazinen muss man nur so lange in deren Blickfeld bleiben, bis diese irgendwann von selbst auf einen zukommen ;-)
Was aber immer gleich ist: Seid sichtbar! Eine hohe Reichweite ist nicht umsonst eine wichtige Zielgröße, bei jeder Art von Marketing, erst recht auf sozialen Netzwerken. Und was ich euch noch als Tipp mit auf den Weg geben will: Seid konsistent in euren Werken und in eurer Darstellung. Wenn ihr viele verschiedene Genres bedient, für welches soll euch ein Magazin dann als Experten herausstellen? Wenn ihr nur alle paar Wochen mal ein Bild postet oder eure Website seit einem halben Jahr nicht mehr aktualisiert wurde, wie soll ein Magazin dann wissen, ob ihr überhaupt noch als Fotograf tätig seit? Zuerst solltet ihr nach außen hin unmissverständlich klar machen, dass ihr für dieses oder jenes Thema DER Experte seit. Das klingt hochtrabender als es gemeint ist, ich denke aber, die Message ist klar. Bevor jemand auf euch zukommen kann, müsst ihr für diesen Jemand überhaupt sichtbar und interessant sein.

Ich würde mich jetzt natürlich wahnsinnig freuen (und das Pictures Magazin sicher auch) wenn ihr euch alle die aktuelle Ausgabe besorgt und mir gerne auch Feedback gebt, wie ihr den Artikel findet!
Was mich aber noch viel mehr interessiert: Wo wurdet ihr denn schon veröffentlicht und wie war eure Erfahrung mit dem ganzen Prozess? Schreibt's mir in den Kommentaren!

Bis bald,

 

Tobi



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